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Das E-Auto bei Wind laden?

2023-02-21 20:17

Diese Frage ist schwieriger zu beantworten, als es zunächst scheint. Wenn es um den Strommix geht, ja. Wenn es aber um zusätzliche kW bzw. kWh geht, die nicht eingeplant waren, darf man nicht den Strommix betrachten, sondern muss das letzte kW bzw. die letzte kWh ansehen, ähnlich wie bei den Grenzkosten in der BWL. Die zusätzliche Last führt, wenn sie in der bundesweiten Summe zu groß wird, zum Abruf positiver Regelleistung. Und jene stammt (noch?) höchst selten aus Wind oder PV, sondern oft aus fossiler Erzeugung. Hintergrund: Wind und PV werden durch die Merit Order sowieso möglichst vollständig eingespeist (außer an sonnig-windigen Wochenenden und/oder wenn die Leitungen nicht reichen).

Sollte man also auf die Netzfrequenz gucken und laden, wenn die über 50 Hz beträgt? Auch das ist problematisch, denn die Netzfrequenz ist normalerweise von Kyiv (wie man heute schreibt) bis Lissabon gleich, aber die Leitungen in den Ländern und erst recht zwischen den Ländern sind nicht allzu dick. Wenn das Angebot an der einen Stelle hoch und die Nachfrage an der anderen Stelle ebenfalls hoch ist, können beide vielleicht mangels Übertragungskapazitäten nicht zueinander finden. Siehe auch: Redispatch.

Ob am Mittelspannungsnetz (nicht Hochspannungsnetz) hängende Windparks der eigenen Region gerade abgeregelt sind, ist da schon ein besseres Signal. Allerdings befürchte ich, dass die bei spontanem Bedarf nicht schnell genug wieder hochgeregelt werden, weil sie (noch?) selten automatisch als Regelleistungsanbieter*innen fungieren, sondern am Spotmarkt gehandelt werden.

Als Normalsterbliche*r kann man also nur schwer einschätzen, was im jeweiligen Moment netzdienlich ist. Die Übertragungsnetzbetreiber*innen sollten noch am ehesten wissen, was am besten ist.

Oh, und wo ich gerade wieder dies lese: "Stromerzeugung und Stromverbrauch müssen stets im Gleichgewicht sein." Das ist automatisch der Fall: Energieerhaltung! Wenn "zu viel" eingespeist wird, wird das auch verbraucht ("Selbstregeleffekt") – indem Motoren schneller drehen und/oder Betriebsmittel wärmer werden; umgekehrt, wenn "zu wenig" eingespeist wird. Die Differenz zu 50 Hz zeigt also nicht, wie physikalische Erzeugung und physikalischer Verbrauch voneinander abweichen – denn die sind naturgesetzlich gleich –, sondern wie Angebot von und Nachfrage nach elektrischer Energie marktmäßig voneinander abweichen.

Kommentar vom 2023-02-21, 23:13

Hm. Ab 2025 muss der Stromversorger dynamische Tarife anbieten. Das heißt, daß sich der Strompreis über den Tag verändert und zum Beispiel günstiger wird, wenn in Deutschland gerade genügend Strom verfügbar ist. Das könnte ich nutzen, um zum Beispiel die Waschmaschine zu dieser Zeit einzuschalten oder das Elektroauto dann günstiger zu laden. Hat meine Mutter bereits praktiziert, wenn sie für ihre alten Speicheröfen billigen Nachtstrom erhalten hat. Das werden dann aber alle machen und ihre lastintensiven Systeme (eben Trockner, Geschirrspüler, Auto, ...) zugleich einschalten beziehungsweise laden. Das ist ja gerade nicht im Sinne der Erfinder. (fm)

Kommentar vom 2023-02-22, 00:43

Ich hatte mal die Idee, einer App, die mir die Netzdienlichkeit anzeigt. Inzwischen gibt es z.B. Tibber. Die zeigen die aktuellen Preise.

Kommentar vom 2023-02-22, 09:28

@Kommentator*in von 23:13: Das sollte der Markt ja regeln: Dann wirds nachts wieder teurer. J. L.

Kommentar vom 2023-02-22, 09:30

@Kommentator*in von 09:28: Weil der Preis (noch) deutschlandweit gilt, ist die Netzdienlichkeit nicht gewährleistet (Redispatch!). J. L.

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