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Jürgen Kaube: Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?

2019-07-03 16:44

FAZ-Mitherausgeber Kaube langt schon im Titel seines Buchs kräftig zu und liefert en passant ein Gegenbeispiel für Betteridges Gesetz, denn die -- im Buch nicht so deutlich gegebene -- Antwort ist: "Derzeit ja." Wo er das Kompetenz-Dogma und die daraus resultierende utopische bis heuchlerische Kompetenz-Lyrik aufs Korn nimmt, hat er meine volle Unterstützung. Einige der Argumente (und darüber hinaus viele mehr) finden sich auch in meinem Text zu Bologna.

Vielleicht der Komplexität des Sujets ist es geschuldet, dass die Stoßrichtung etwas unklar bleibt: Bildungskarriere als teures Signal, möglichst freie Stoffwahl durch Lehrerinnen und Lehrer, aber dann am Ende doch wieder marktgerechte Vergleichbarkeit finde ich nicht schlüssig zusammengebracht. Sowieso fehlt mir in Kapitel XIII zur Forderung nach Wettbewerb und Markt in der Schule eine Auseinandersetzung mit den Phänomenen, die durch die US-amerikanischen School Vouchers deutlich geworden sind. Ebenso bedarf der Vorschlag, Fach-Studierende an Schulen zu schicken (S. 284) eines Reality-Checks (siehe "Teach For America") -- vor allem, wenn nicht nur die motiviertesten Studierenden freiwillig in die Schulen gehen, sondern wenn das quasi ein Pflichtprogramm wird ("Third Mission"?).

Die häufige Bezugnahme auf Hattie ohne die Spur einer Relativierung (Aussagearme Effektstärken? Schlampige Arbeit?) ist traurig. Und natürlich ist Orthografie, anders als der Autor auf S. 122 bestreitet, ein Herrschaftsinstrument: Wer sich nicht "korrekt" ausdrückt, wird schnell disqualifiziert. Pygmalion, anybody?

Kleinkram: Auf S. 137 mutieren Studienanfänger an FHs zu Abiturienten. 1729 ist nicht die kleinste Zahl, die sich als Summe zweier kubischer Potenzen schreiben lässt (S. 143), sondern die kleinste Zahl, für die das auf zwei Arten geht. Die Quellenangaben sind leider -- wie sagt man heute noch gleich? -- im amerikanischen Stil.

Kommentar vom 2019-07-05, 15:27

Ihre Glossen entwickeln sich zu Diskussionsbeiträgen zur theoretischen Methoden der Sozialforschung, Merci für diese Kompositionen. Wie aber genau unterscheidet sich die ideologische Verfasstheit von " Kompetenz Dogma" und " Kompetenz Lyrik" ? Oder ist das Dogma der neoliberale theoretische Überbau und die Lyrik die mediale Vermittlungsebene?

Kommentar vom 2019-07-05, 15:42

@Kommentatorin oder Kommentator von 15:27: Wie ich schreibe: "die daraus resultierende". Das Kompetenz-Dogma ist die politische (aber nicht unbedingt im Kern neoliberale) Vorgabe; diese Vorgabe wird fast zwangsläufig durch eine Lyrik in Lehrplänen usw. eingelöst, die den Belehrten phantastisches ungeprüftes und oft unprüfbares Können andichtet. (Oder glaubt jemand, dass die absurden Mathe-Abituraufgaben mit ihren schon vorgegebenen Gleichungen wirklich "Modellierungskompetenz" testen? Oder dass, wenn sie dies wirklich täten, die Bewertungsskala nicht vom Ministerium massiv korrigiert werden würde, weil sonst zu viele Leute durchs Abi fallen würden?)
J.L.

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