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Der Verdacht

2025-11-23 12:57

Die breite Verfügbarkeit von KI, die aalglatt formuliert und komplizierte Aufgaben in professioneller Notation löst, sät Zweifel – und zwar nicht nur an Prüfungsleistungen. Wann immer man einen zu perfekten Text oder eine erstaunlich elegant bearbeitete Klausuraufgabe (in Tateinheit mit längerer Pinkelpause) sieht, kriechen Vorurteile aus dem dunkelsten Keller hervor – Vorurteile gegen KI, aber schlimmer noch gegen Menschen und Menschengruppen: Kann die*der das wirklich gedacht und geschrieben haben?!

KI trägt damit zur Zerrüttung der Gesellschaft bei und leistet der Diskriminierung Vorschub. Hat eigentlich irgendwer Offizielles das auf dem Schirm?

Britische Student*innen ahnen, dass die von ihnen teuer bezahlten Lehrmaterialien aus der KI-Dose stammen: American English inconsistently edited to British English. (Übrigens ein weiteres Kainsmal von KI!)

Wenn der Papst auf X mit korrektem em dash postet – dann ausgerechnet zum Thema KI –, stellt natürlich sofort jemand die Drei-Finger-Szene aus Inglourious Basterds als Kommentar rein. Und ich muss gestehen, dass ich jenes Posting, wenn es nicht gerade vom offiziellen Grauer-Haken-Account käme, vom Wortlaut her auch maximal fishy fände.

[Nachtrag 2: Nvidias Gratulation an Google sieht ebenfalls schwer nach KI-generiert aus. Vielleicht mit Absicht?]

[Nachtrag 1: Weil man auch den tollen Fotos auf Insta nicht mehr trauen kann, hat KI vielleicht netto sogar einen positiven Effekt auf das Klima: Es lohnt sich nicht mehr, für die paar Likes um die Welt zu jetten und vor dem Mount Everest und vor Machu Picchu Schlange zu stehen.]

In a related developing story hatte ein Guardian-Reporter vermutet, dass Teile des Trump-Putin-Pakts ziemlich roh aus dem Russischen übersetzt worden sind. Das war angesichts des Inhalts keine so gewagte Vermutung, aber man darf gespannt sein, welche Kreise diese Angelegenheit noch zieht.

Kommentar vom 2025-11-23, 13:32

Worüber ich sofort gestolpert bin, sind die "Pinkelpausen"/Toilettengänge während Klausuren/Prüfungen.
Wer hat eigentlich festgelegt, dass es unzumutbar ist, 90 min auf einen Toilettengang zu verzichten? Da wird sofort von Grundrechten und Menschenwürde gesprochen.
Eine wirkliche Leistungsfeststellung ist damit nicht mehr gewährleistet.
Am Ende machen wir wieder alles mündlich, wie im Mittelalter. Tafel, Kreide, abgeschirmter Raum, Ohren kontrolliert, Hals kontrolliert... Ist es das? Geht da der Weg hin?
Oh man - ich bin froh, dass ich bald in Rente gehe. So wird Lehre doch ad absurdum geführt.

Kommentar vom 2025-11-23, 15:00

@Kommentator*in von 13:32: Ich als die Aufsicht führender alter Mann halte die 90 Minuten nur mit Mühe durch. Man könnte ja dreimal 30 Minuten machen, mit kurzen Pausen und danach komplett neuen Aufgaben. – Zumindest die theoretische Führerscheinprüfung dürfte bald wie im Kommentar beschrieben ablaufen. Und ja, der Trend geht klar in Richtung mündlicher Prüfungen. J. L.

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