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Toxische Ambition überwinden

2026-04-12 11:22

Manchmal gehe ich in den Zoo – nicht nur, um die unsichtbaren Tiere zu bewundern (in Hannover aktuell die Giraff*innen, in Osnabrück gibts sogar unsichtbare Fische), sondern auch, um meine Einstellung zu korrigieren.

Immer wenn mich eine Regung der Art Oh, man müsste doch mal … überkommt, stelle ich mich einfach vors Gehege der Pinguin*innen. Deren Art, als subalterne Figuren einfach nur unspektakulär, unglamourös, unambitioniert das zu tun, was getan werden muss, ist eine große Inspirationsquelle.

Nicht mit einer Verbeugung das Publikum begrüßen, hochkonzentriert Anlauf nehmen, und dann einen gediegenen Köpper hinlegen. Keine großen Phantastereien. Die Vereinnahmung durch den ambitionsideologischen Apparat verweigern. Jenseits der Sichtbarkeitsökonomie, diesseits des Spektakels und außerhalb des Aufmerksamkeitsregimes agieren.

Nein, auch nicht im Verborgenen auf den großen Schlag vorbereiten, also nicht das dem Architekten von Reform und Öffnung zugeschriebene 韬光养晦 umsetzen. Eher so 兵败则降,弃甲投戈, was leider nicht bei den klassischen chinesischen Militärstrateg*innen steht. The only winning move is not to play!

Die alltägliche Mikropraxis des Widerstands üben. Der stillen Gewalt der Employability trotzen. Exit als Kritik. I would prefer not to.

Immerhin das wird in der Schule korrekt vermittelt: sich der pädagogischen Gouvernementalität zu entziehen. [S]tudents are on their guard against being conned into being interested, beschreibt Nuthall diese Kompetenz.

[Nachtrag: Eine extreme wichtige Teilkompetenz ist die Resilienzrenitenz gegen Lob, denn Lob ist das perfideste Vehikel der Ausbeutung. Die einzige aufrichtige Anerkennung ist Neid.]

Moralisch stecke ich selbst allerdings in einem Dilemma: Wenn ich als intersektional Privilegierter mich auch noch anstrengte, würde ich anderen Menschen des Aufmerksamkeitsraums auf YouTube, LinkedIn und X sowie der Drittmittel berauben. Ich würde Sichtbarkeitskapital akkumulieren und die Hegemonie des Engagements reproduzieren. – Andererseits ist aber gerade das Nichtstun(dürfen) ebenfalls ein Privileg und ein Ausdruck von Macht, denn auch die Ungleichverteilung des Rechts auf Erschöpfungsverweigerung ist selbst ein Machtverhältnis.

[Nachtrag: Rest is resistance: Time, disobedience, and the politics of non-productivity]

[Nachtrag: Unsere hochmotivierte Praktikantin führt Euch mal durch die Firma.]

Am Rande: Das Video des Aufmachers ist mit TensorPix gratis aus einem Pixelklumpen (kleiner Bildausschnitt des originalen Realvideos) hochskaliert.

Kommentar vom 2026-04-12, 15:44

Wurde dem Pinguin wenigstens ein Fisch gezahlt, für die Verwendung seines Bildes?

Kommentar vom 2026-04-12, 16:11

@Kommentator*in von 15:44: Nein, und das ist natürlich der blinde Fleck: reine extraktive Inspirationsgewinnung. Die*der Pinguin*in leistet die affektive Arbeit und ich kassiere das Sichtbarkeitskapital – klassische Aneignung nichtmenschlicher Reproduktionsarbeit. Eine Nachzahlung in Hering wäre das Mindeste. (Ey, Alter, Claude Opus macht große Teile der GöhteGoethe-Uni und der Humboldt-Uni arbeitslos. Ich verstehe, warum die KI von jener Seite so viel Flak abbekommt.) J. L.

Kommentar vom 2026-05-11, 15:53

Eine richtiger Zen-und-Fahrradfahren-Post. Danke, cool zum Runterkommen ... :-) ... Wieso grade der Goethe- und der Humboldt-Uni? Hier gibt es stetig Kurse für Studis "mit KI arbeiten", "KI-Expertise" und nun einen Master, der sich an Pädagogik- und Informatik"insolventen", pardon, Absolventen richtet. Da eine Modul- und inhaltliche Schnittmenge zu finden, stelle ich mir absolut grausam vor. Aber vielleicht ist das auch ein 4-semestriges Dating-Event.

Kommentar vom 2026-05-11, 22:16

@Kommentator*in von 15:53: Ich dachte bei Nennung dieser beiden Institutionen eher an die akademische Reputation auf dem Gebiet von Marxismus usw. J. L.

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