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Karp/Zamiska: The Technological Republic

2026-06-04 21:15

Der CEO von Palantir hat mit seinem Rechts- und Beziehungspfleger sozusagen ein Palantir-Manifest in Buchform verfasst. tl;dr: Warum arbeiten wir mit dem Pentagon zusammen? Weil wir nicht so dekadent sind wie Ihr! Markige Worte, eine Ruck-Rede.

Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Die Kritik an flachen Klickibunti-Belanglosigkeiten (this just in: Windows-Taskleiste endlich wieder vertikal!!1!) und am Hedonismus (S. 105), die Forderung nach Resultaten statt performativem Diskurs – eine noch politisch korrekte Bezeichnung für Haltungsethik – (S. 178) und die Bedenken über die Empörungsindustrie der Hochschulen (S. 157) sind nachvollziehbar.

Ebenso verständlich ist der Verweis auf die Frage des Antikapitalisten David Graeber, wo denn die fliegenden Autos blieben (S. 110) – die gibt es allerdings schon lange. Spannender wäre hier die Frage nach den rechtlichen Hindernissen und nach dem Leidensdruck. Aber sowohl bei den ersteren wie beim letzteren tut sich was. Die Frage ist obendrein, wie die Flugautos zwischen den ganzen auf dem Bürgersteig verkehrenden Cargobikes starten und landen können sollen. Aber zurück zum Thema.

Die Unternehmen und die Bürger*innen der USA sollen sich also am Riemen reißen. Wahrheit, Schönheit, das gute Leben, Gerechtigkeit (S. 207). Verpflichtender Wehr- und Kriegsdienst (S. 145). Ein Technological Peace Corps (S. 50), das die klugen jungen Köpfe einfängt, damit sie die Zivilisation vorwärtsbringen oder die gar retten, statt das nächste Gimmick zu bauen. Leadership nicht mit flexiblem Rückgrat, sondern mit Haltung (S. 71).

Ein Aspekt fehlt mir aber bei dieser Konsumkritik: der Dual Use von Alltagsgütern, die dann weaponized werden. So wäre die heutige KI ohne die Hardware-Geschichte der Videospiele kaum denkbar. In der Ukraine sind Mini-Drohnen von Spielzeugen zu Waffen geworden; in Afghanistan wurde lange vorher Kunstdünger zur chemischen Basis von Sprengfallen. Das Buch erwähnt selbst, dass die Army ihre Funkkommunikation bei etwas flexibleren Vorgaben einfach als Campingzubehör hätte kaufen können (S. 146). Die Trennung zwischen ernster und dekadenter Technik, auf der das ganze Manifest ruht, hat also ein paar Lecks.

Auch im Detail wird es markig statt wirklichkeitsnah. Für ein Software-Unternehmen finde ich diese Aussage befremdlich: The programmer is confronted with failure immediately. (S. 160) Bananensoftware unbekannt? Als Gegenbeispiele drängen sich Therac-25 oder der Mars Climate Orbiter auf. Der Fehler erscheint oft nicht sofort. Und wenn er erscheint, trifft er nicht unbedingt die*den Programmierer*in.

Sorgen machen mir aber vor allem Fragen von Macht und Verantwortung. Wer kontrolliert die geforderte Härte? Ist Bestechlichkeit in Ordnung, wenn man ein toller Hecht ist (S. 187)? Die Mitglieder des US-Senats würden zu wenig verdienen (S. 180) – aber welche für sie persönlich gefährliche Verantwortung tragen sie denn? Passend dazu macht Peter Thiel, der andere prominente der fünf Palantir-Mitgründer, derweil Nägel mit Köpfen und schlägt seine Zelte in Argentinien auf. So viel zur Verpflichtung gegenüber der eigenen Republik.

Angesichts des US-typischen Schreibstils – zu jeder Person erst einmal langatmig eine Geschichte – kann man schnell übersehen, dass Alexander Karp an der Goethe-Universität promoviert wurde: Aggression in der Lebenswelt: Die Erweiterung des Parsonsschen Konzepts der Aggression durch die Beschreibung des Zusammenhangs von Jargon, Aggression und Kultur (Dissertation). Von dort bis hin zu Mikroaggressionen durch Sprechakte scheint es mir kein weiter Weg? Die Frankfurter Schule ist wahrlich Deutschlands wichtigstes Export-Unternehmen. Unbedingt lesenswert: Popper über Adorno als Sprachvernebler (Myth of the Framework, S. 72).

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