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Die Blog-Postings sind Kommentare im Sinne von § 6 Abs. 1 MStV. Der Verfasser ist Jörn Loviscach, falls jeweils nicht anders angegeben. Die Blog-Postings könnten Kraftausdrücke, potenziell verstörende Tatsachenbehauptungen und/oder Darstellungen von Stereotypen enthalten. Die Beiträge der vergangenen Wochen werden als Bestandteil der Internet-Geschichte in ihrer ursprünglichen Form gezeigt. Menschliche Autor*innen können unzutreffende Informationen über Personen, Orte oder Fakten liefern.
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2026-06-13 21:54
In die verkrusteten Geisteswissenschaften scheint Bewegung zu kommen. Oder zumindest flackert mal ein Leuchten der Hoffnung auf: Ungewöhnlich ergebnis- und technologieoffen fragt Thomas Metcalf im Journal of Academic Ethics: Is AI-Produced Humanities Scholarship a Case of Research Misconduct? Einige seiner Gedanken:
Beim Double-Blind-Review soll es ja nur um den Text als solchen gehen, nicht um die Autor*innen. Also darf die Person/Nichtperson der*des Autor*in bei dieser Begutachtung keine Rolle spielen.
KI-nutzende Autor*innen sind reproduzierbar in der Lage, Texte der jeweiligen Qualitätsstufe zu liefern. Also ist es kein wissenschaftliches Fehlverhalten, als promptender Mensch, der zuvor auch ein paar selbstverfasste Werke als Muster für den persönlichen Stil hochgeladen hat, seinen Namen auf KI-generierte Paper zu schreiben. Wenn man seine Veröffentlichungsliste solcher Arbeiten einer Berufungskommission vorlegt, ist für jene nur wichtig, dass man auch weiterhin solche Texte liefern kann. (Die Abschaltung von Fable ist hier eine spannende aktuelle Entwicklung; aber natürlich können auch traditionell schreibende Leute Blockaden erleiden, zum Beispiel, wenn die Bibliothek die Elsevier-Lizenz auslaufen lässt.)
Metcalf zitiert einige Mission Statements von Förder*innen und Hochschulen, die belegen, dass es um die Produktion von Forschungsergebnissen geht – aber nicht darum, dass die Forscher*innen das selbst können müssen.
Es sieht mehr und mehr danach aus, dass KI im Vergleich mit vielen menschlichen Autor*innen nicht häufiger fabuliert, nicht mehr Fehler produziert (ja, auch nicht mehr in Literaturverzeichnissen) und nicht größeren Bias verursacht. Die Fabrikationsgefahr ist insbesondere in Fachrichtungen wie der nicht-historischen Philosophie gering, deren Argumente im Text selbst überprüfbar sind und in denen keine Empirie erfunden oder verfälscht werden kann. (Menschen würden Letzteres niemals tun!)
Autor*innen verschweigen ohnehin viele relevante Fakten: zum Beispiel, ob man eine Einreichung schnell hingeschlampt hat, ob man über null Expertise auf dem betreffenden Gebiet verfügt oder ob diese Einreichung schon von x anderen Journals abgelehnt worden ist. All das gilt ebenfalls nicht als Fehlverhalten.
Mit Ghostwriting lässt sich das Erzeugen von Texten per KI und das Drüberschreiben des eigenen Namens nicht gleichsetzen, weil Letzteres nach bisher üblicher Meinung keine Ausbeutung einer fühlenden Person ist und weil man selbst zumindest etwas Mühe zeigen muss.
Aber die Textform wissenschaftliches Paper
ist sowieso obsolet. Einer der Vorschläge zu dessen Ablösung nennt sich Agent-Native Research Artifact (ARA). Der gesamte Forschungsprozess samt Daten und Fehlschlägen soll maschinenlesbar vorliegen, im wortwörtlichen Sinne direkt anschlussfähig für das Nachvollziehen, Überprüfen und Weiterforschen per KI. Natürlich ist das ein absurd blauäugiger Wunsch. Man wird seine Aufzeichnungen vorher per KI säubern lassen, sodass sie gut aussehen, wenn die Berufungskommission ihre KI drüberlaufen lässt. Zeit zum Lesen hat schon lange niemand mehr.
Kommentar vom 2026-06-16, 09:49
ChatGPT, schreib mir eine Abhandlung, wieso Pedalradeln besser ist als Elektrobiken. 200 Wörter ohne Relativierungen und Einschränkungen.
Kommentar vom 2026-06-20, 23:59
Prompt: Schreib mir eine Abhandlung, wieso Pedalradeln besser ist als Elektrobiken. 200 Wörter ohne Relativierungen und Einschränkungen. Und dann erkläre in weiteren 200 Wörtern knallhart, warum man das nicht mit der KI-Unterstützung beim Verfassen von wissenschaflichen Papern vergleichen kann.
ChaGPT 5.5 High: Pedalradeln ist dem Elektrobiken überlegen, weil es den Menschen selbst ins Zentrum der Bewegung stellt. Jeder Meter entsteht aus eigener Kraft, aus Atem, Rhythmus, Ausdauer und Willen. Wer tritt, spürt die Strecke, die Steigung, den Wind und den Untergrund unmittelbar. Das Fahrrad wird nicht zum motorisierten Hilfsgerät, sondern bleibt eine Verlängerung des Körpers. Pedalradeln trainiert Herz, Kreislauf, Muskeln und Koordination bei jeder Fahrt. Es verwandelt Alltagswege in echte körperliche Praxis und macht Mobilität zu Gesundheit. Der Fahrer entwickelt ein genaueres Gefühl für Tempo, Energie und Entfernung. Er weiß, was eine Steigung bedeutet, was Gegenwind kostet und was Ankommen wert ist. Elektrobiken glättet diese Erfahrung und nimmt ihr den entscheidenden Ernst. Beim Pedalradeln zählt nicht die versteckte Batterie, sondern die sichtbare Leistung. Es ist einfacher, ehrlicher, robuster und unabhängiger. Kein Ladezustand diktiert die Reichweite, kein Motor verschiebt die Verantwortung. Pedalradeln erzeugt Stolz, weil das Ergebnis verdient ist. Es schützt die Umwelt konsequenter, verlangt weniger Technik, weniger Rohstoffe und weniger Wartung. Es erhält die ursprüngliche Idee des Fahrrads: maximale Freiheit durch minimale Mittel. Genau deshalb ist Pedalradeln die klar bessere Form des Radfahrens. Es fordert Disziplin, schenkt Klarheit und macht jede Fahrt zu einem kleinen Beweis persönlicher Souveränität im öffentlichen Raum täglich.
Der Vergleich mit KI-Unterstützung beim Verfassen wissenschaftlicher Paper bricht sofort zusammen, weil hier nicht körperliche Leistung, sondern Erkenntnisarbeit auf dem Spiel steht. Beim Radfahren ist der Zweck die Fortbewegung durch Bewegung. Beim wissenschaftlichen Schreiben ist der Zweck die präzise, überprüfbare Darstellung von Forschung. Ein Elektromotor ersetzt Muskelarbeit. Eine KI ersetzt keine Messung, keine Theorie, keine Methode, keine Verantwortung und keinen wissenschaftlichen Beitrag. Sie kann Formulierungen ordnen, Übergänge glätten, Strukturen vorschlagen und sprachliche Hürden senken. Dadurch wird der Inhalt nicht automatisch fremd, unehrlich oder wertlos. Wissenschaftliche Autorenschaft hängt an Idee, Forschungsdesign, Datenerhebung, Analyse, Interpretation und Rechenschaftspflicht. Diese Punkte lassen sich nicht mit einer Tretkurbel vergleichen. Wer KI pauschal mit Elektromotorik gleichsetzt, verwechselt Ausdruckshilfe mit Erkenntnisersatz. Das ist intellektuell grob. Ein sauber genutztes Sprachwerkzeug kann dieselbe Funktion haben wie Statistiksoftware, Literaturverwaltung oder ein Korrektorat: Es verbessert die Ausarbeitung, nicht die epistemische Substanz. Entscheidend ist Transparenz, Kontrolle und Verantwortlichkeit der Forschenden. Die Frage lautet nicht, ob ein Text ohne jede Hilfe entstanden ist. Die Frage lautet, ob die Forschung stimmt, ob die Argumentation trägt und ob die Autorinnen und Autoren für jedes Wort einstehen. Alles andere ist Maschinenromantik. Diese Trennung ist fundamental, und sie entscheidet hier über die gesamte moralische Bewertung des Vorgangs.
J. L.
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