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Gegen Lehrpreise

2018-10-20 21:02

Nein, bitte schickt mir keine Informationen über Lehrpreise, bei denen ich meinen Hut in den Ring werfen soll.

Lehrpreise sind ein Instrument des New Public Management (NPM). Insbesondere sollen sie zu geringen Kosten viel bewirken: Man hält 100 Eseln eine einzige – und obendrein sehr kleine – Möhre vors Maul und hofft, dass kein Esel es merkt. Es geht um billige Arbeit, wie bei OER (zu jenem Thema bald mal mehr an dieser Stelle).

Was die Verfechter(innen) des NPM und insgesamt des Neoliberalismus übersehen: Auf eine(n) Sieger(in) kommen x Verlierer(innen). Das kann nicht auf Dauer klappen, schon allein von der Motivation her.

Hin und wieder lasse ich mich breitschlagen, bei einer Lehrpreis-Jury mitzumachen. Auf Basis der mir dort vorgelegten Beschreibungen von Veranstaltungen kann ich aber nur mutmaßen, wie die Wirklichkeit aussieht. Aus den studentischen Veranstaltungskritiken (fälschlicherweise oft „Evaluationen“ genannt) gewinne ich vielleicht eine grobe Idee, wie sich die beim jeweiligen Termin (noch?) anwesenden Studentinnen und Studenten gefühlt haben. Was sie tatsächlich gelernt haben und wie die zu diesem Zeitpunkt noch ausstehende Prüfung bei ihnen ankommen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Noch unklarer ist, was in einem Jahr oder in zehn Jahren von dem Gelernten übrig ist. Anekdote: Ich habe zu Studienzeiten einen sich schrecklich anfühlenden Russisch-Kurs belegt; von dem ist aber nun nach Jahrzehnten immer noch etwas übrig.

Als grundsätzliches Problem kommt hinzu, dass man bei der Begutachtung am grünen Tisch gar nicht brauchbar einschätzen kann, welcher Unterricht in der jeweiligen Situation mit den jeweiligen Studentinnen und Studenten funktioniert. Im Endeffekt kann man nur beurteilen, ob die angesagten (hohlen und falschen) Vokabeln in der Bewerbung vorkommen: „studierendenzentriert“, „kompetenzorientiert“ usw. Es handelt sich eher um einen Gesinnungstest.

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