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Noch eine Studie unter der Lupe: Vorbereitung auf die Digitalisierung durch das Studium

2019-06-17 19:24

Ich komme kaum noch hinterher damit, die Studien aus dem Bildungsbereich zu kommentieren, die aktuell in den Qualitätsmedien zitiert werden. Heute also: "Frauen fühlen sich durch Studium weniger gut auf Digitalisierung vorbereitet als Männer ‒ Brandenburger Hochschulen sind Vorreiter"

Die in der Studie abgefragten Aussagen "Die Digitalisierung verbessert meine Jobchancen." und "Ich fühle mich durch mein Studium auf die digitalen Anforderungen meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit gut vorbereitet." sind herzlich irrelevant, weil man nicht erfährt (und offensichtlich auch nicht untersucht wurde), ob die Studierenden überhaupt die Anforderungen ihrer zukünftigen Tätigkeit kennen. Außerdem könnte man als älterer Vertreter (so wie ich) auf den Gedanken kommen, dass ein Studium zum Selbstlernen befähigen sollte, statt Skills einzutrichtern, die morgen passé sind.

Bei der Frage "Bietet Ihre Hochschule eines oder mehrere der folgenden digitalen Lehr- und Lernangebote?" ist unklar, was das Wort "bietet" bedeutet: Hat man dort "Vorlesungen im Internet" anzukreuzen, wenn 1990 mal zwei Vorlesungen in einem anderen Fach gefilmt worden sind?

Dass Brandenburg in der Umfrage so gut abschneidet, liegt vielleicht daran, dass die Brandenburger Studierenden bescheidene Leute sind? Oder dass die Uni Potsdam mit dem HPI verbandelt ist? Leider versucht die Studie nicht einmal ansatzweise, eine Erklärung zu finden.

Bei "rein digitale Lehrveranstaltungen" und "Vorlesungen im Internet" liegt Schleswig-Holstein am Ende. Ich nehme an, dass sich die Leute von oncampus in Lübeck schwer am Kopf kratzen, wie sie urplötzlich vom Vorreiter zum Schlusslicht geworden sind. (Nebenbei bemerkt, würde es sich gehören, anzugeben, wie groß der Standardfehler bei einer Stichprobe dieser Größe ist: etwa 22.000 Teilnehmende, davon knapp 3 %, also um die 600 aus Schleswig-Holstein. Wenn 50 % der Grundgesamtheit einer Aussage zustimmen, liegt der Standardfehler für eine Stichprobe von 600 Leuten bei etwa 12 Leuten, also 2 Prozentpunkten.)

In einem anderen Text erfährt man etwas über das Zustandekommen der Stichprobe. Es wurden Mitglieder eines Job-Portals und eines Steuerportals, die beide auf Studierende fokussiert sind, angeschrieben. Die Rücklaufquote lag, wie bei solchen Aktionen üblich, deutlich unter 10 %. Man mag darüber spekulieren, ob sich die anderen 90 % zu gut mit digitalen Medien auskennen, um überhaupt auf so etwas zu antworten. Dass die Umfrage repräsentativ sei, wird nur im Nachhinein zu plausibilisieren versucht -- anhand der Merkmale Durchschnittsalter, Bundesland, männlich oder weiblich, Uni oder nicht, eines von acht Fachgebieten, Erwerbstätigkeit.

Die auf der Titelseite prangende Kooperation mit der Maastricht University scheint sich vor allem an der Person von Dr. Philipp Karl Seegers festzumachen, seines Zeichens Managing Director bei der candidate select GmbH in Köln. Er pflegt noch Verbindungen zu seiner Alma Mater, hat aber, wenn ich die Maastrichter Personalseite richtig verstehe, kein Büro dort.

Kommentar vom 2019-06-18, 09:15

;-) O weh, Studien, die vermutlich mit exklusiv quantitativen Methoden "Befindlichkeiten" bezüglich der zukünftigen Karrierechancen abfragen, sind kein Spass & wissenschaftlich unbefriedigend. Dass Studies digitale Angebote ihrer eigenen Unis kennen, sagt wenig über die Produktivitaet der Nutzung. Gibt es bei den Studien offen gestellte Fragen, in denen Probanden Digitalisierung deuten und zumindest heuristisch zu erfassen suchen? Für qualitativen Methode der Forschung wär es nötig, Gruppendiskussionen /Einzelinterviews mit offenen Fragen anzubieten: Die Methode methodische Gruppendiskussion in der Probanden, Studierendeüber einen vorgegebenen theoretischen Input, Technologie Digitalisierungssoziologischer Texte* oder kritischer Videos zur Digitalisierung/ theoretische Arbeiten zum Thema "Mensch in der Digitalisierten Welt diskutieren " & das zu transkribieren/ auszuwerten, wäre fruchtbar... :-D z.b. *Engin Isin/Evelyn Ruppert-Schulze: Being Digital Citizens :-)

 ...LG Saáde

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