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Motivationsdesign vs. Bildung

2019-08-03 12:09

Schon im März hatte sich Wolfram Meyerhöfer (der sich augenscheinlich zu selten zu Wort meldet) zu Lern-Apps in der Schule geäußert: "Alles Inhaltliche scheint so schlimm zu sein, dass Kleeblätter und Blumen den Schmerz des Lernens mildern müssen." "Das Kindliche wird zum Kindischen verzogen." Für mich sieht das aus, als ob die Lern-App-Entwickelnden beim Hundetraining in die Lehre gegangen sind.

Das bringt mich mal wieder auf das Thema "Motivationsdesign" -- eine didaktische Bankrotterklärung. Ich erwische mich dabei, wie ich das auch selber betreibe. Beispiel: Wie kann man die (wenigen) Pflichtveranstaltungen des ersten Semesters so über die Wochentage und Tageszeiten verteilen, dass die Studentinnen und Studenten auch für möglichst viele der Nicht-Pflicht-Veranstaltungen an der Hochschule bleiben?

Wie schlecht selbst professionelles Motivationsdesign funktioniert, sieht man daran, dass trotz Schockbildern auf Packungen und Werbeplakaten immer noch geraucht wird. Oder vielleicht nicht "immer noch" geraucht wird, sondern sogar "gerade deshalb".

Aber zurück zur Bildung: Zu viele didaktisch-methodische Überlegungen ranken sich darum, wie man den Broccoli mit Schokoguss überzieht, um den von Brenda Laurel geprägten kulinarischen Ausdruck zu verwenden. Das ist nicht nur aufwendig und teuer (Apple, SMART & Co. danken), sondern die Wirkung verpufft auch bald (Novelty Effect). Umgekehrt ist es aber möglich, sehr viel selbstständig aus ganz schlichten Büchern zu lernen. Auf diese Art hatte ich mir Mathematik, Physik und Elektrotechnik beigebracht. Warum erforschen wir nicht viel mehr die Gelingensbedingungen dafür und wie man diese herstellen kann? Das würde zwar den Gewinn von Apple, SMART & Co. schmälern, aber es wäre eine Arbeit an der Wurzel statt ein Doktern an Symptomen.

Eine offensichtliche Gelingensbedingung ist ein sicheres, ruhiges und unterstützendes Umfeld. Die wichtigste Maßnahme (und Herkulesaufgabe) einer gelingenden Bildungspolitik könnte darin bestehen, dieses Umfeld herzustellen. Eine weitere Frage ist, wie man "Need for Cognition" fördern kann. Was Yuval Noah Harari "drawn to blank spots on the map" (Sapiens, S. 322) nennt, ist vielleicht zu viel des Guten. Scott Adams (in den Zeiten, als er noch kein Trump-Fan war) hat es so wunderbar erfasst: "To the engineer, all matter in the universe can be placed into one of two categories: (1) things that need to be fixed, and (2) things that will need to be fixed after you've had a few minutes to play with them." (Dilbert Principle, S. 174) Aber dann benötigt man obendrein noch die geistig-moralische Reife, um diese Impulse im Zaum zu halten: Stichwort Solutionismus.

Kommentar vom 2019-08-04, 17:15

Sonntagnachmittägliche Saturiertheit nach 4 Gängen mit Seeteufelcarpacchio, Kobe Steak und wunderbaren Rhoneweinen, plaudern, Expresso und statt der Tarte, ein bisschen Lovi lesen beim Rauchen auf der Terasse...Die Glosse geht runter wie eine Lieder Hitparade aus einem 70' er Jahre SPD Text zur Bildungsreform, "Ein bisschen Frieden" von Nicole, Neill's Bestseller Buch Summerhill und Ernst May' s Manifest zum modernistischen Wohnungsbau. Dann wünsch ich die geistig moralische Reife zum Ertragen der Sesselbewinder und gutes Durchhalten auf dem Weg ins Kultusministerium und ganz neue Lehrpläne schmieden Man Tau.

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