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Vereindeutigung an der Hochschule

2019-10-01 11:04

Gabi Reinmann wendet die Gedanken von Thomas Bauer über die Vereindeutigung der Welt auf die Hochschule an, insbesondere auf die evidenzbasierte* Lehre und die empirische* Bildungsforschung. Ich könnte noch die scheinbare Vereindeutigung durch Nullhypothesentests (signifikant / nicht signifikant), durch Effektstärken, Pfadkoeffizienten usw. hinzufügen. Umgekehrt darf man aber nicht vergessen, dass eine nicht vereindeutigte Welt ein ideales Terrain ist, um sein soziales und kulturelles Kapital zur Entfaltung zu bringen: Man hat eine geheime Landkarte geerbt, man weiß, wie man das System gamen kann, und man hat einen Draht zu Schlüsselfiguren. Ob eine Vereindeutigung den Unterprivilegierten aber wirklich hilft oder ob sie ein Pyrrhus-Sieg wird, müsste man sich genau überlegen.

*Der Lesbarkeit halber erspare ich uns hier Anführungszeichen.

Kommentar vom 2019-10-02, 15:47

Nihaou! Die scheinbare Lesbarkeit bzw. die Hoffnung auf Eindeutigkeit von Symbolen der Privilegien bedeutet aber doch lange nicht den Sieg über diese? Auch zwischen Signifikant /Signifikat gibt es Risse & Abysse. Ein Feld auf demdie wenigstens vergnügliche Lektüre von de Saussure bis Lacan seit 1 Jahrhundert (post) strukturalistisch zelebriertwird. Und selbst radikale äusserliche Homogenisierung der Symbole wieim Maoismus , ist spätestens durch "grossen Sprung" 大跃进 vom status quo blockierter Produktivkräfte über Leichenberge in die kapitalistische Revolution als gescheitertes Experiment gewertet werden.. Aber zur Bauerschen Ausgangshypothese: die Welt an sich ist per se - nicht vereindeutigt _ Selbst dauermilitärische Auseinandersetzungen/der bedeutendsten Guerilla weltweit, indischer Naxaliten, haben verschiedenste Ziele, von Selbstverteidigung von Allmenden bis zur Dauerlebens Lebensform der Entrechteten https://www.outlookindia.com/magazine/story/walking-with-the-comrades/264738

Kommentar vom 2019-10-02, 15:50

Vielleicht gibt es wenigstens die vereindeutigung der Zeile von Lehrenden : Widerstand zur Pflicht werden zu lassen...Wenn der Wahnsinn immer hitziger wird..Strike! "...Scientists must act on our own warnings to humanity

We face interconnected planetary emergencies threatening our climate and ecosystems. Charlie J. Gardner and Claire F. R. Wordley argue that scientists should join civil disobedience movements to fight these unprecedented crises. .." Frage : Was halten Sie davon? https://www.nature.com/articles/s41559-019-0979-y

Kommentar vom 2019-10-02, 17:41

Man könnte ja sogar die Unabhängigkeitserklärung zitieren: "That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, [...]" Aber die Gegenseite wird das natürlich analog sehen: "Die wollen uns unseren Urlaub, unseren Braten und unseren SUV rauben!" Und sich dann ebenfalls darauf berufen. – Schön wäre immerhin, wenn meine Kolleginnen und Kollegen endlich aufhören würden, ständig in die weite Welt zu fliegen. Das wäre doch ganz elementar "Scientists must act on our own warnings". Vorher wirkt jede weitergehende Maßnahme auf mich peinlich. J.L.

Kommentar vom 2019-10-06, 19:41

Oscar Wilde´s früher und stetiger Kontakt mit der Boheme seiner Zeit hatte ihn zu folgenden Aperçu beschwingt " Die Abwesenheit von sündigen Verhalten ist meist nur eine Folge fehlender Gelegenheit" - freies Zitat ;-) Haben Sie zu Hochzeiten Ihres VideoHypes Einladungen nach Princeton und Stanford wirklich widerstehen können? Und: Wenn man seine Karriere auf Nobelpreis zielende Forschung an "Teilchen" oder Strukturen aufbaut und netzwerken muss, also weniger darauf, Menschen zum Denken zu befähigen ( der Ihnen typischen Sermon über die Nutzlosigkeit des Unterfangens wäre dann einer Lebenseinstellung, die man mit Camus "Wir müssen und Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen" illustrieren könnte ) dann muss man eben fliegen. :-) Nörgelnde und moralisierende Kollegen nerven da nur.

Kommentar vom 2019-10-06, 21:09

@Kommentator(in) von 19:41: Meine Auftritte an den beiden genannten Hochschulen datieren aus einer Zeit vor dem Video-Hype. Ich habe diese Auftritte zwar schon seinerzeit mit diversen anderen Terminen in der jeweiligen Umgebung zusammengelegt, schäme mich aber trotzdem für meine vielen transatlantischen und oft auch noch obendrein transkontinentalen Flüge. Mein Umweltsau-Kontingent für die nächsten Jahrzehnte ist damit aufgebraucht. Das führt auf eine ähnliche Frage wie in der Welt-Klimapolitik: Darf man nur den aktuellen Ausstoß einrechnen oder muss man den historischen Ausstoß der derzeitigen Industrienationen einrechnen? J.L.

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