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Bullshit-Jobs erster und zweiter Ordnung

2019-12-28 12:35

David "99 Percent" Graeber fordert, von der Produktions-Wirtschaft weg hin zu Hege und Pflege zu kommen und beschreibt noch mal sein Konzept von Bullshit-Jobs (am besten erklärt ab 54:00 in der Fragerunde).

Jobs, deren Verschwinden die Welt nicht bemerken würde oder deren Verschwinden die Welt sogar verbessern würde: Graeber (als Prof) denkt dabei an das systemkonforme Erstellen von Learning Outcomes und an das systemkonforme Ausfüllen von Arbeitszeitabrechnungen für die WiMis, aber vergisst seinen Kernjob (oder was früher der Kernjob war). Was mich selbst angeht, habe ich den Eindruck, dass viele Menschen glücklicher wären, wenn der Job "Mathe-Prof" verschwände. Und was Jobs angeht, deren Verschwinden von niemandem bemerkt werden würde: Da stünde "Klimaforscher (m/w/d)" ganz oben auf meiner Liste, denn das IPCC produziert offensichtlich für den Mülleimer. :-/

Spannend ist die Idee, dass Bullshit-Jobs schon BGE sind. Also müssen wir gar nicht mehr diskutieren, ob BGE finanzierbar ist.

Das Diagramm über das prozentuale Wachstum der Verwaltung, das Graeber immer wieder zeigt, ist natürlich brutal unfair, weil es nicht die absoluten Zahlen darstellt.

Kommentar vom 2020-01-05, 23:28

Die Mathematik wird von den meisten Akteuren nicht nur als eine besonders sichere und dauerhafte Erkenntnisform angesehen, sondern auch als eine genuin „demokratische“ Wissenschaft, die sich durch ihre völlige Unparteilichkeit auszeichnet. Besonders in der Abgrenzung zu den Geistes- und Sozialwissenschaften wird oft hervorgehoben, dass soziale Hierarchien und akademische Ränkespiele in der Mathematik kaum eine Rolle spielten. Macht, sofern sie von den Akteuren überhaupt registriert wird, wird vor allem als kognitive Überlegenheit und weniger als institutionelle Autorität empfunden. Die folgende Aussage eines Doktoranden erläutert dies am Beispiel eines hypothetischen Konfliktes zwischen einer Studentin und einer Professorin in einer Vorlesung:
„Aber ich finde ja, dass das im Kern sogar fast einen demokratischen Aspekt hat. (...) selbst wenn sie [die Studentin, C. K.] einen objektiven Einwand hat, .ist.. 1000 Zeichen .." Text Ch. Kiesow, Quelle: Mathematik als Denkwerk

Kommentar vom 2020-01-05, 23:39

@Kommentator(in) von 23:28: Ich würde mal annehmen, dass die Ränkespiele in der Mathematik nur nicht ganz so offensichtlich sind wie anderswo. Wenn ein Beweis eine Macke hat, lässt sich das zwar nicht gut dauerhaft verbergen, aber es geht ja nicht um Beweise, sondern darum, welche Themen angesagt sind/werden, wer welche Stelle bekommt, wer für welchen Preis vorgeschlagen wird usw. Auch das mit der Demokratie in der Mathematik ist mit Vorsicht zu genießen: Um einen Beweis nachzuvollziehen, muss man nicht nur Zeit und Geduld haben, sondern auch sehr viele Vorkenntnisse. J.L.

Kommentar vom 2020-01-06, 00:06

"dass viele Menschen glücklicher wären, wenn der Job "Mathe-Prof" verschwände" ... O lamento incredulo e eterno! :-) Nö! Die Vertreter demokratischer Egalitätskultur an deutschen Hochschulen muss man einfach "gernhaben".....Ich zitiere mal aus dem Theorieteil der bestens bekannten Studie "Mathematik als Denkwerk" von Ch. Kiesow 2016 (Der ethnographische Interaktionsanalye-Teil ist wirklich auch très amusant, man erfährt, dass ein gewisser Hang zu Slang, Salopperien und Vulgarismen - flappsiger Sprache - ziemlich typisch sind, wenn Mathematiker*innen unter sich verweilen; ich hatte in meiner grenzenlosen Ignoranz wahrlich gedacht, dass sei ein speziell von Ihnen kultivierter Stil ;-) ... )

Kommentar vom 2020-01-06, 15:31

Also demokratisch im Sinne Athens? - Wo nur die Land- und Sklavenbesitzer die Zeit hatten, Politik oder Mathematik als Philosophen zu betreiben ...

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