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Wie Mathematik-Lehrende sich die Welt vorstellen

2020-01-16 11:27

Wieder mal eine händeringend auf Praxisrelevanz konstruierte Mathe-Aufgabe, aber zur Abwechslung nicht aus dem Abitur, sondern aus einer Elite-Universität: "Ein bis zur halben Höhe gefülltes kegelförmiges Glas Sekt kostet 1,50 €. Wie teuer wäre folglich das randvoll gefüllte Glas?" mit der als richtig gewerteten Antwort: 12 € (Quelle).

Es geht mir hier gar nicht so sehr um die eher seltene Kegelform des Sektglases (vielleicht trinkt man in München lieber Martini als Sekt?), sondern vor allem um die Unkenntnis der Preisgestaltungspraxis. Schulbuchmäßig könnte man sich über Fixkosten Gedanken machen, aber viel wichtiger ist natürlich, dass nicht der Inhalt zählt, sondern die Botschaft, die man durch den Konsum sendet. Die kleine Portion muss teurer sein als die große, so wie man bei Sterneköch*innen viel Geld bezahlt, um hungrig vom Tisch aufstehen zu dürfen. Wie viel der Sekt bei Käfer im Deutschen Theater wirklich kostet, konnte ich leider gerade online nicht herausfinden (in München redet man auch nicht über Preise!); 1,50 € scheinen mir aber absurd billig.

Das Rechnen mit Sekt dürfte obendrein für diejenigen Studentinnen und Studenten befremdlich sein, für die Alkohol haram ist. Wir stellen ja, um ins Asiatische zu gehen, auch keine Rechenaufgaben, bei denen für das Mittagessen statt der üblichen Pizza-Scheiben Hunde aufgeteilt werden müssen.

An der Aufgabe lernt man nichts Neues, sondern sieht nur das bestätigt, was man schon seit der 5. Klasse wusste: dass Mathematik nichts mit dem wahren Leben zu tun hat. Eine überaus richtige und wichtige Lektion.

Oh, und wo wir beim Thema "Proportionalität vs. das wahre Leben" sind: 200 Soldat*innen benötigen 12 Stunden, um die Festung zu erobern. Welche Zeit würden 2 Soldat*innen für dieselbe Aufgabe benötigen?

Kommentar vom 2020-01-23, 11:29

Ein Genderstern*chen bei den *** Köchen! :-D In gewissen Gegenden wie Bielefeld lässt sich eben, wenn man nie die weite Welt über längere Zeit erfahren, kein echtes Savoir Vivre entwickeln, wie man mal wieder aus Ihrer Darstellung des Sinn und Zwecks eines Restaurantbesuches festellen darf. ;-) Nun ja und im Gegensatz zu unserer französischen Provinz versteht man in NRW nichts von der Gourmanderie. Witzig allerdings, dass Sie - im Gegensatz zu anderen Bildungsaufsteigern - Ihre "einfache Leute" Herkunft regelrecht inszenieren. Apropos: was macht die neue Garderobe? Ist der Schneider schon fertig mit der Herstellung Ihrer edlen und soooo klimaschonenden neuen Gewänder? Siehe Blogbeitrag zum Guten Leben von vor ein paar Wochen. Übrigens ein bisschen Farbe würde Ihrem Barthaar auch guttun, ganz dezent. Dieser gerontophile schneeweisse Gesamteindruck wirkt etwas anachronistisch in Zeiten der ewig Junggebliebenen 60´er Generation, die mit F4F die Menage proben. Beim Barte des Lesch!

Kommentar vom 2020-01-23, 23:24

@Kommentator(in) von 11:29: Andere Leute tragen einen roten Irokesen-Schnitt; ich trage meine Herkunft vor mir her! – Meine Garderobe ist die alte, was noch viel umweltschonender ist. – Was die Farbe meines Bartes angeht, sehe ich, dass sogar der 最高领导人 ganz unkonventionell mit grauen Strähnen auftritt. Street credibility! J.L.

Kommentar vom 2020-02-01, 01:01

Bravo, Authentizität ist eine hohe Kunst, in Armani-Anzügen kann jeder grenzdebile Mafiosi oder Nachtclubbesitzer steigen. Aber macht die Auswahl neuer Garderobe nicht auch manchmal Spaß? Das Handwerk zu fördern ist auch ökologisch. :-) Außerdem verbraucht man in der Zeit keinen Strom am Rechner ... Aber ein chronisch hilfsbereiter Mensch ("Kannst du mal kommen, mein Laptop blinkt rosa und schreibt nur noch auf Chinesisch" ist typischer Computeraner-Alltag) wie Sie ist garantiert von vielen strickenden, häkelnden und webenden Ischen umgeben, :-D und kann sich vor Dauerregen aus Wollsocken, Strickpullis und Schals kaum retten ... :-) Informatiker zu sein ist jedenfalls so eine Art Subsistenzallrounder im TauschRaum Moderner Zeiten.

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