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Heterodox orthografisch

2020-02-12 15:19

Korrekte Rechtschreibung als Dienst an den Lesenden – Leute, das ist doch so was von 90er Jahre! Damals gab es noch mehr Lesende als Schreibende, so dass sich der Aufwand auf der Seite der Schreibenden rentiert hat. Aber heute gibt es mehr Schreibende als Lesende. Wozu also der Stress?

Wieso es heute mehr Schreibende als Lesende gibt: Erstens werden WhatApps und sowieso Texte aller Art nur noch überflogen und nicht mehr gelesen. Zweitens haben typische, äh, wissenschaftliche Artikel mehr Autor*innen als Leser*innen, denn der Beitrag zum h-Index (und nur auf den kommt es ja an) wird auch bei 1000 Autor*innen nicht durch 1000 geteilt – und gelesen wird vor dem Klick zur Übernahme der Zitatangabe in den eigenen Text sowieso nicht. Wer hat denn dafür wohl noch Zeit?

Eigenwillig ist die Idee eines "korrekten" Deutsch. Nein, nein, nein. Deutsch muss leben, sonst könnte der Duden nicht immer neue Auflagen verkaufen. Es gibt also zu jedem Zeitpunkt "unkorrektes" Deutsch, das dann irgendwann legalisiert wird. Auch ich finde den Verzicht auf Kommas (Kommata?) und Bindestriche bei gleichzeitig vermehrtem Einsatz des Apostrophs (der typografisch oft nicht einmal einer ist, aber die Philologen haben lautere Sprachrohre als die Typografen) gewöhnungsbedürftig. Aber "Portmonee" und "Spagetti" (beide orthodox) sehen jetzt nicht gewöhnungsbedürftig aus oder was?

Die Philolog*innen konstatieren einen Mangel, den nur sie selbst beheben können. Das erinnert mich irgendwie, irgendwie an die Lage in der Mathematik.

"Korrekturen" als Kränkung: Ja, das ist gut beobachtet, ist aber das Wesen der Zeit. Heute kommt es darauf an, wer sich am meisten gekränkt fühlen darf.

Kommentar vom 2020-02-13, 20:39

Ihre Videos sind ein Gedicht ;-) (eigentlich gehört das in den Grammatik-Post von neulich, aber doppelt falsch ist auch gut, oder?)

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