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Bologna aushebeln

2020-02-14 17:11

Kann man als hiesige Hochschule den Vorgaben des Bachelor-Master-Systems entfliehen? Mindestens zwei Wege scheinen mir dazu offen:

Auf die erste Möglichkeit hat mich der aktuelle Rant des vielleicht prominentesten (nun ehemaligen) Gastprofessors der UdK über die dortige Vergabe von Abschlüssen mit Auszeichnung gebracht: Man darf auch heute – im 21. Jahr von Bologna – noch auf Meisterschülerin oder Meisterschüler statt auf Bachelor oder Master studieren. Die Prüfungsordnung muss dort augenscheinlich nicht minutiös die zu erwerbenden Kompetenzen und deren Berufsrelevanz auflisten. Könnte man also einen hinreichend großen Anteil freier Kunst zum Beispiel in einen Physik-Studiengang integrieren? Fachlich lässt sich ein solcher Anteil sicher begründen (Animatronics, Laser-Installationen, Wolken-Skulpturen).

Die zweite Möglichkeit eröffnet sich durch die offiziell geforderte breite Anerkennungspraxis außerhochschulischer Leistungen. Man könnte als Hochschule einen Studiengang mit Modulbeschreibungen usw. offiziell akkreditieren lassen, aber dann zum Beispiel nur lockere "außerhochschulische" Meister(innen)klassen durchführen. Letztere erkennt man sich dann als Hochschule für den offiziellen Studiengang selbst an. Falls das jemandem zu durchschaubar sein sollte, könnte man diese Aufgaben auch zwischen zwei Hochschulen aufteilen, am besten eine davon im EU-Ausland.

Kommentar vom 2020-02-14, 19:50

Sowas gibt es auch für Musikstudierende, in Nürnberg heißt das "Meisterklasse": https://www.hfm-nuernberg.de/fileadmin/user_upload/Text-Pool/PDF-Studiengaenge/Informationen_zur_Meisterklasse_an_der_Hochschule_fuer_Musik_Nuernberg.pdf
Aber ob Physiker da reinpassen würden?

Kommentar vom 2020-02-14, 20:56

@Kommentator(in) von 19:50: Erstens können Physiker nicht nur besser programmieren als Informatiker, sondern auch besser Klavier spielen als Pianisten. So. Das musste mal gesagt werden. ;-) Zweitens wäre die Idee, einen ganz neuen Studiengang aufzumachen, der ein Mix aus zum Beispiel Physik und Freier Kunst ist. Drittens sind die Nürnberger Meisterklassen keine grundständigen Studiengänge. Alle anderen Studiengänge an der HfM dort sind brav Bachelor und Master. Sehr lesenswert ist die Prüfungsordnung für den Master-Studiengang Akkordeon. Wie man mit solchen null objektivierbar-kompetenzorientierten Learning Objectives durch die Akkreditierung gekommen ist, ist mir schleierhaft: "Die Studentinnen und Studenten erweitern ihre professionellen musikpraktischen Fähigkeiten." J.L.

Kommentar vom 2020-02-16, 22:39

Die Grundidee ist klasse, quasi avantgardistisch, aber! die Kunsttechniken aus dem Meisterklassenensemble in die beschnittene und zugerichtete bachelorisierte Hochschulphysik integrieren und dann wird da ein Meisterstudium draus? NO WAY ... Ist das Denkmodell ein Resultat dieser berühmten - mir ewig rätselhaften - loviscachschen Logikschule? ;-) Es muss doch genau andersrum laufen. Das Physikstudium muss durch Kurse wie Optik, Materialkunde, Mechanik, Programmieren etc. in die Meisterklasse der Kunstakademie integriert werden. Etwas Derartiges gab es übrigens schon mal, das war das Bauhaus in Weimar ...

Kommentar vom 2020-02-17, 00:14

@Kommentator(in) von 22:39: Ich meine selbstverständlich: in einen _richtigen_ Physik-Studiengang einbauen. – Die freundlicherweise nach mir benannte Denkschule ist mit der traditionellen Logik deckungsgleich. – Der Ansatz des Bauhauses war sehr anwendungsbezogen. Ich will subatomare und kosmische Kunst und Kunst in der Kategorientheorie! ;-) J.L.

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