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Xing nervt

2020-05-02 12:36

Nicht nur, dass Xing einen – ohne, dass es die Auslöser wissen – mit "wartet noch immer auf Ihre Antwort"-Mails belästigt. Fast noch schlimmer ist die vorgefertigte Nachricht, mit der Kontaktaufnehmenwollende* mir Dummerchen erklären wollen, was Xing sein soll: "[I]ch schreibe Ihnen, weil ich Sie auf XING vermisse. XING ist eine Plattform für Berufstätige, mit der man […]". Solche Anfragen landen bei mir sofort im 🗑️. Überhaupt habe ich soeben noch weitere meiner persönlichen Angaben von jener Site weggeräumt. Mein Xing-Exit (oder Exingt?) ist absehbar.

* Die mir obendrein nicht mal persönlich bekannt sind.

[Nachtrag: Interessant, wer einen Bot zu nutzen scheint, um einem zum neuen Job zu gratulieren. Fürs Blockieren vorgemerkt.]

Kommentar vom 2020-05-02, 19:19

Nudging at its worst.

Kommentar vom 2020-05-04, 14:23

Wie bei allen Kontakt- und Partnervermittlungen blinken dahinter die $- oder 元-Zeichen und erinnern uns, dass wir leider die gleiche Sprache nutzen müssen für Uneigennützigkeit und Interessenlosigkeit von zwischenmenschlicher Freundschaft (jenseits derselben). Diese Pervertierung von Sprache erinnert mich immer an die Kunst gewisser Idiome bzw. deren höfischer Ausprägung mit zuckersüßen Worten Entlassungen oder Trennung zu verkünden: "Je suis désolée", "I am so sorry" ... Als Nicht-Brite oder -Pariser braucht man manches Mal eine Weile, um Wort und Botschaft zusammenzukriegen. :-) Haben Sie einen neuen Job? Aber, Achtung: Weiß der Bot, dessen Betreiber möglicherweise diskrete Informationsflüsse abzapft, vielleicht mehr als Sie? :-) Ein kommendes Angebot für einen Sitz im Aufsichtsrat oder Stiftungsvorstand oder im Ministerium kann von so einer Maschine möglicherweise analytisch erfasst werden, lange bevor es Sie erreicht ...

Kommentar vom 2020-05-04, 16:46

@Kommentator(in) von 14:23: Man darf in Xing ja nicht keinen Job haben (neoliberal-protestantisch-konfuzianisches Nudging?), also muss man einen Phantasie-Job angeben. J.L.

Kommentar vom 2020-05-05, 11:02

"Privatier" gilt interessanterweise bei vielen Plattformen nicht als Job. Dabei hat man mit der Vermögens-"Verwaltung" (der Begriff der Verwaltung ist typisch deutsche Ideologie, als ob man Vermögen nur verwalten müsse; erinnert mich immer an Hannah Arendts Titulierung Adolf Eichmanns als Bürokraten) wirklich so viel zu tun. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen und dauerndes Networking sind mitunter harte Arbeit; besonders sind Lobbyisten-Encounter mit aktuellen Politikern liberal-konservativer Parteien wirklich kein Vergnügen, früher waren in der [Parteiname gestrichen, J.L.] noch echte Intellektuelle. Um nicht als völliger Antipathie [Hat da die Autokorrektur zugeschlagen? J.L.] zu gelten, muss man die heimische Villa ab und zu mal an eine Fernsehproduktion verleihen. Und das Personal ist auch nicht mehr das Wahre. Nun ja, man schlägt sich so durch. Ja, wirklich, ich empfehle "Privatier" als Berufsangabe.

Kommentar vom 2020-05-05, 13:45

@Kommentator(in) von 11:02: Dann doch lieber "Rent-Seeker". J.L.

Kommentar vom 2020-05-10, 19:10

Kenne ich nicht. "Rentier" taucht in seiner hübschen Doppelbedeutung allerdings häufiger auf. :-)

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