Home | Lehre | Videos | Texte | Vorträge | Software | Person | Impressum, Datenschutzerklärung | Blog RSS

Die Blog-Postings sind Kommentare im Sinne von § 6 Abs. 1 MStV. Der Verfasser ist Jörn Loviscach, falls jeweils nicht anders angegeben.

vorheriger | Gesamtliste | jüngste | nächster

Draufzahlgeschäft Hochschulpatente

2020-09-06 10:47

Die Hoffnung auf einen eigenen Goldesel à la MP3* hat sich für die meisten Hochschulleitungen nicht bewahrheitet, berichtet die FAZ.

Für Patente benötige man eine Kennzahl ähnlich dem Impact Factor. Etwa, weil der so toll funktioniert?! Aber es kommt noch besser: "fallspezifische Kenngrößen wie die Anzahl medizinisch behandelter Menschen oder eine Reduktion des CO2-Ausstoßes". Ich sehe schon das Dutzend zusätzlicher Leute an jeder Hochschule, die solche Zahlen dann zu erfassen versuchen – und in ihren Berichten der, äh, Lesbarkeit halber lieber keine Fehlerbalken einzeichnen.

*Zu MP3: Dessen Erfolg müsste man auch mal gründlicher untersuchen, insbesondere aus kriminologischer Perspektive. Napster wäre hier zu erwähnen, ebenso das – augenscheinlich absichtliche – Zulassen eines Dunkelfelds unlizenzierter Encoder, wodurch Konkurrenzstandards nie eine Chance hatten. Letzterer M.O. wurde bei den weiteren MPEG-Standards beibehalten, siehe FFMPEG.

Kommentar vom 2020-09-07, 19:53

Nach Eigendarstellung der FhG beruhte die Verbreitung von MP3 auf einem illegalen Download eines Studenten: "Eigentlich sollte die mp3-Software über das Internet verkauft und so Geld verdient werden. Dieses Geschäftsmodell war jedoch schnell zerstört: Ein australischer Student kaufte die Software mit einer geklauten Kreditkartennummer und mit machte sie anschließend öffentlich verfügbar." [Quelle]. Ich denke, der Erfolg war eine Kombination aus Zufällen, "Plan B" und Fehleinschätzungen.

Kommentar vom 2020-09-07, 21:27

@Kommentator(in) von 19:53: Irgendwie scheint mir das zitierte Dokument nicht schlüssig: "boten kostenpflichtige Software zum Download an. Dies führte schnell zur massenhaften Verbreitung von mp3." "Dieses Geschäftsmodell war jedoch schnell zerstört[.]" – Wie denn nun: Die massenhafte Verbreitung soll also gewesen sein, bevor es "Gratis"-Encoder gab? Außerdem gab es die Referenzimplementierung; und der Fraunhofer-Quellcode stand im Netz. Und es bleibt das andauernde Mirakel (?) des Drohens + Nichtvorgehens der MPEG gegen nichtlizenzierte Encoder / encodierte Dateien für ihre Standards. J.L.

Kommentar vom 2020-09-09, 10:52

Mir stellt sich nebenbei die Frage, ob das ganze Patentwesen sich volkswirtschaftlich / weltwirtschaftlich überhaupt lohnt. Es werden riesige Ressourcen allein mit der Verwaltung und Streitschlichtung (Rechtssprechung/Juristen) verbraten. Gruß, MartinH

Kommentar vom 2020-09-09, 13:46

@MartinH: Gilt genauso für Mathe-Professuren. Irgendwie muss man die Leute ja beschäftigen. Siehe: "Bullshit Jobs". RIP David Graeber. J.L.

Kommentar vom 2020-09-11, 14:16

@J.L. Danke für den Hinweis auf den kürzlich verstorbenen David Graeber (59 J = mein Alter)!
Mein Beruf ist ein Bullshitjob (4 J alt)

Kommentar vom 2020-09-14, 09:52

@J.L.: Die Marketingdokumente der FhG versuchen m.E. nur, das rückblickend zu deuten und verzichten vermutlich zugunsten des Großen und Ganzen auf eine historisch exakte Darstellung. Das schreiben auch Leute, die nicht dabei waren; da würde ich nicht unbedingt auf eine schlüssige Darstellung hoffen. Ich persönlich denke, dass es dahinter tatsächlich gar keinen Plan gab, jedenfalls nicht einen der FhG; die haben nur mehr oder weniger auf die (Fehl-)Entscheidungen der Industrie reagiert. Einer, der dabei war, hat mir mal erzählt, dass die FhG das Projekt lange intern als Misserfolg verbucht habe (bis zu dem Zeitpunkt, als sich das viele Geld nicht mehr verstecken ließ).

Neuer Kommentar

0 Zeichen von maximal 1000

Ich bin die*der alleinige Autor*in dieses Kommentars und räume dem Betreiber dieser Website das unentgeltliche, nichtausschließliche, räumlich und zeitlich unbegrenzte Recht ein, diesen Kommentar auf dieser Webseite samt Angabe von Datum und Uhrzeit zu veröffentlichen. Dieser Kommentar entspricht geltendem Recht, insbesondere in Bezug auf Urheberrecht, Datenschutzrecht, Markenrecht und Persönlichkeitsrecht. Wenn der Kommentar mit einer Urheberbezeichnung (zum Beispiel meinem Namen) versehen werden soll, habe ich auch diese in das Kommentar-Textfeld eingegeben. Ich bin damit einverstanden, dass der Betreiber der Webseite Kommentare zur Veröffentlichung auswählt und sinngemäß oder zur Wahrung von Rechten Dritter kürzt.