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Was Studierende (nicht) können

2020-10-30 13:47

Das riesige bundesdeutsche Programm KoKoHs (Kompetenzmodelle und Instrumente der Kompetenzerfassung im Hochschulsektor) präsentiert einige Ergebnisse im Sammelband "Student Learning in German Higher Education".

Wer erwartet, zu erfahren, ob von hiesigen Absolvent*innen konstruierte Brücken einstürzen, wird enttäuscht: KoKoHs dreht sich hauptsächlich um Lehrer*innenbildung. Der erste Satz auf S. 317 ist eigentlich eine Bankrotterklärung für das bisher fast zehnjährige Programm: "Despite significant research, it remains unclear whether the goal of developing domain-specific knowledge in higher education is actually being achieved."

Nur ganz hinten gibts ein wenig: "[M]aster's degree students in Germany were able to answer only approximately 44 % of the test items correctly." (S. 421) Dabei ging es um den "Test of Understanding College Economics" und (augenscheinlich freiwillige und nicht für gute Leistungen belohnte – zwei der vielen methodischen Probleme) Studierende in Master-Studiengängen im BWL-Bereich.

Ähnliche Probleme gibt es bei der Studie über das erste Studienjahr in BWL, die findet: "[A] significant positive but only slight change in domain-specific knowledge points was identified between the two measurement points." (S. 387) Es geht um eine Steigerung im Mittel von 13,27 auf 13,69 bzw. 14,12 auf 14,57 Testpunkte (S. 382). Moral mal wieder: Jede Nullhypothese ist falsch, wenn man nur genügend genau hinsieht.

Sowieso finden sich wieder überall die gefährlichen p-Werte. Die gehen natürlich auch hier schief, zum Beispiel, indem man Alternativhypothesen ablehnt (S. 325) und damit entgegen den Regeln der Kunst Nullhypothesen akzeptiert.

In der Liste (S. 192) an Medien, die die Studierenden zur Information oder zum Lernen nutzen, tauchen die Medien, aus denen ich am meisten lerne, gar nicht auf: Twitter und Stack Exchange. Das kann ein sehr schlechtes Zeichen für das Lernen sein – oder eine Nachlässigkeit im Fragebogen, auch wenn man dies unter "others" hätte eintragen können. Dass die Mediennutzung damit korreliert (S. 190), ob man geometrische Muster zuordnen kann und möchte (vulgo "Intelligenz"), dürfte vor allem ein sozioökonomischer Effekt sein?

Auf S. 168 steht in Rot (!) neben einer Abbildung: "Abdruckgenehmigungen müssen ggf. noch eingeholt werden." Vielleicht verschwindet der Hinweis noch, denn das Buch scheint Print-on-Demand zu sein (Printforce).

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