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Belohnungsaufschub und schwache Daten

2021-05-15 15:01

Das Paper Predicting mid-life capital formation with pre-school delay of gratification and life-course measures of self-regulation scheint mir wieder ein Fall von Wittgenstein's Ruler zu sein: Misst der Test, das was er zu messen vorgibt, oder misst er die*den Tester*in?

Startend mit 550 Kindern aus der Stanford-Vorschule, die erste Tests über sich ergehen haben lassen, gibt es von N = 113 Personen aus diesem Kreis Daten aus 45 Jahren des weiteren Lebensverlaufs. (Was ist mit dem Rest passiert? Durch unvorsichtiges Verhalten verschieden?) Die Antwortquote von 72 % der letzten Umfrage zeigt schon, dass man es hier nun wirklich nicht mit einer üblichen Auswahl zu tun hat. Weiteres Indiz: Die allermeisten haben mindestens einen College-Abschluss.

Es wird nur der erste Belohnungsaufschub-Test in der Vorschule berücksichtigt; der wurde allerdings nicht einheitlich durchgeführt. (Und was ist mit der Tagesform von Kind und Experimentator*in und Eltern?) Deswegen und wegen der augenscheinlich hochselektiven Auswahl der Kinder ist das Resultat, dass das in der Vorschule gemessene Belohnungsaufschubs-Verhalten keine nennenswerte Vorhersagekraft für die persönliche Situation im mittleren Lebensalter dieser Personen hat, nicht so wirklich überraschend.

Spannender finde ich, wie in solchen Studien das protestantische Arbeitsethos von einer Ideologie zur "Wissenschaft" mutiert: "net worth, permanent income, absence of high-interest debt, forward-looking behaviors, and educational attainment". Man müsste doch dagegenstellen, was George Bernard Shaw dem Magnus in den Mund gelegt hat: "I never resist temptation, because I have found that things that are bad for me do not tempt me."

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