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Chomsky und Waterstone – Consequences of Capitalism

2021-07-19 21:19

Die beiden Autoren halten häufiger eine Vorlesungsreihe zum Thema, was der Kapitalismus für Mensch und Natur bedeutet. Auf den Vorlesungen von Anfang 2019 basiert die 2021 erschienene buchgewordene Fassung. Genau umgekehrt zu deutschen Bildungswissenschaftler*innen, die gerne Geschriebenes vorlesen, findet man hier die augenscheinlich recht wörtliche Niederschrift von Vorlesungen – was stellenweise ebenso befremdlich wirkt.

Klar: Jede Regierung muss als oberstes Ziel ihren Machterhalt haben und deshalb Zustimmung herstellen, wenn nicht gar fabrizieren, (S. 34ff) oder zumindest Apathie erzeugen. Dazu hilft es enorm, den (vermeintlich) gesunden Menschenverstand so zu programmieren, dass alles für die Regierenden potenziell Problematische absurd erscheint und gar nicht mehr gesagt oder gar gedacht wird (S. 40ff).

Man lernt ein paar Hintergründe zur amerikanischen Revolution, die so zumindest nicht in meinen Schulbüchern gestanden haben: Die Briten hatten nicht nur (vorerst) die Besiedlung westlich der Appalachen (also fast der kompletten heutigen USA) untersagt, sondern begannen auch, sich gegen die Sklaverei zu wenden (S. 238).

Das Ziel steht klar im Untertitel: "Manufacturing Discontent and Resistance", also Agitation. Waterstone betreibt für meinen Geschmack arg viel Marx-Exegese (etwa S. 56ff), so, als ob es darum ginge, zu zeigen, wer Recht hatte, nicht darum, was man tun sollte.

Die im Buch immer wieder vorgeschlagene Lösung ist "productive enterprise should be owned by the workforce" (S. 333). Allerdings bemühen sich die beiden Autoren nicht wirklich, zu erklären, wie das funktionieren soll (unabhängig von der Frage, welche Freiheitsbeschränkungen dazu nötig wären). Wie etwa sollte der schon jetzt Volkseigene Betrieb namens Deutsche Bahn AG basisdemokratisch verwaltet werden? Und wenn ich das Umfeld von Glascontainern und den Zustand öffentlicher Toiletten sehe, bin ich mir auch nicht so sicher, wie hoch die allgemeine Wertschätzung der Umwelt tatsächlich ist.

Die Vorlesungsreihe ist eine regelmäßige Veranstaltung an der University of Arizona. Allerdings wird mir aus dem Syllabus nicht klar, worin die Prüfung für die Undergraduates besteht. 300 US-$ für einen Sitzschein?

Dass dieses Buch nicht als Open-Access-Datei im Netz steht, sondern (unter anderem!) bei Penguin (sprich: Bertelsmann) erschienen ist, kann uns vielleicht ebenfalls etwas zum Kapitalismus sagen, auch wenn ich noch nicht genau weiß, was.

Kommentar vom 2021-07-19, 21:58

Wie erhalten wir denn nun ein Klima, sodass die Menschheit angenehm weiter leben kann. Geht das überhaupt? Und ist das wirklich falsch, dass eine mögliche Erwärmung nicht nur schlimm ist, sondern auch Vorteile bringt? Gibt's da ne gute Quelle, die mal alles auf'n Punkt bringt ... Oder zwei? Ihre persönliche Meinung interessiert mich tatsächlich auch sehr.

Kommentar vom 2021-07-19, 22:43

@Kommentator*in von 12:58: Nun, für einige Länder könnte sich ein gemäßigteres (weil weniger kaltes) Klima ergeben, allerdings wahrscheinlich unbeständiger. Und diese Gewinner sind flächenmäßig kleiner als die Verlierer, weil auf den polnäheren Breitengraden weniger Platz ist als auf den äquatornäheren. Literatur zum Beispiel: https://www.nature.com/articles/s41467-017-01792-x. J. L

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