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Schwache Studie zur YouTube-Lernvideos

2022-01-08 11:42

Dieses Paper illustriert sehr gut, wie man heute in Deutschland und anderswo so forscht: What Comprises a Successful Educational Science YouTube Video? A Five-Thousand User Survey on Viewing Behaviors and Self-Perceived Importance of Various Variables Controlled by Content Creators. Hat die Länge des Titels einer Arbeit eigentlich (invers) etwas mit der Qualität zu tun?

Also: Man arbeitet nur mit einem Convenience Sample, in dem obendrein die Altersgruppen der Schüler*innen und Student*innen sehr stark vertreten sind (Figure 1). Man verlässt sich auf das, was die Befragten behaupten, als ob sie wüssten, was sie wirklich anklicken. (Wer weiß, wie lang das letzte angesehene Video wirklich war, mit den oder ohne die Werbeunterbrechungen eingerechnet?) Und als ob die Befragten einem dann die Wahrheit auch noch verraten würden. (Wer guckt sich die, äh, sehr sommerlich bekleideten Pianistinnen auf YouTube an? Niemand!!1 Und, oh ja, wo Sie fragen, natürlich ist es mir sehr wichtig, dass Quellen genannt werden.)

Die Krone ist Figure 9: Wen außer B würde man denn ernsthaft im Video sehen wollen?

Nach dem x-ten Absatz erfährt man, dass sich die Studie um "YouTube users who watch educational natural science videos in their leisure time" drehen soll. Die Abgrenzung "leisure time" ist mir unklar und ich frage mich, ob sie den Teilnehmer*innen (die ja angesichts ihres jungen Alters größtenteils zu Schule gehen oder studieren) klar war.

Logischerweise interessiert es nicht mal als Ankreuzfrage (geschweige denn als belastbare Beobachtung), ob die Menschen etwas gelernt haben – und für wie lange.

Man hätte auch thematisieren können, woher die Beliebtheit von Videos stammt. Was als schmuckes "autonomes Lernen" angepriesen wird, ist nur Frontalunterricht vom Computer. Wegen der Lernendenzentrierung dürfen (und können?) die Lehrer*innen ja nicht mehr erklären, so dass die Lerner*innen ins Netz ausweichen müssen.

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