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Die Blog-Postings sind Kommentare im Sinne von § 6 Abs. 1 MStV. Der Verfasser ist Jörn Loviscach, falls jeweils nicht anders angegeben.

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Kein Konvoi, sondern ein Stau

2022-03-03 20:02

Wenn ich in einem der Laster auf der Straße nach Kiew säße, dann würde ich versuchen, einen Achsbruch, einen Kolbenfresser oder zumindest einen leeren Tank hinzuzaubern. Vielleicht denken auch einige der Leute so, die da jetzt in der Schlange stehen? Vielleicht existiert sogar genau deshalb diese Schlange?

Ohne viel Phantasie kann ich mir ausmalen, dass es ein unausgesprochenes Moratorium gibt: Wir fahren nicht weiter und ihr schießt nicht. Die Leute an der vordersten Front sind ja klüger (und haben mehr Skin in the Game) als die Leute in der Kommandozentrale weit weg. Siehe: Leben und leben lassen.

Kommunikationstheoretisch: Wie kann man sich "in aller Öffentlichkeit" mit "dem Feind" verständigen – aber abstreitbar? ("Ich und daneben schießen?! Nie!!!") Eine solche real-world-Medienkompetenz ist eine, die einem das Leben retten kann. Und vielen anderen. Die steht aber (wenig überraschend) nicht im Lehrbuch.

Kommentar vom 2022-03-04, 00:18

Es gibt in einem Buch über den Südossetien-Konflikt die Beschreibung eines Zwischenfalls: In der Dunkelheit fuhr eine russische Panzerkolonne hinter einer georgischen, in der Annahme, dass es eine russische war. Als die Kommandeure beider Kolonnen das merkten, haben sie sich über Zeichensprache verständigt, dass die mutual destruction möglich, aber nicht erwünscht ist. Sie fuhren vorsichtig auseinander und die Kommandeure haben darüber geschwiegen. Aber nicht die Soldaten 🙂.

Kommentar vom 2022-03-04, 09:51

Aus Bregman, Rutger. Im Grunde gut. Kapitel 4: »Die logische Schlussfolgerung ist», schreibt der Militärexperte Dave Grossman, «dass die meisten Soldaten nicht versuchten, den Feind zu töten.« »Er kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Soldaten nicht gerne kämpften. Selbst wenn sie schossen, feuerten sie oft zu hoch. Das konnte stundenlang so gehen: zwei Armeen, die aufeinander schossen, während fast jeder nach einer Ausflucht suchte, etwas anderes zu tun.«
Zitierte Quellen (alle natürlich nicht gelesen, ich bin schließlich Student):
Bill Davidson. Why Half Our Combat Soldiers Fail to Shoot. Collier’s Weekly (8. November 1952).
Richard Holmes. Acts of War. Behaviour of Men in Battle. Free Press (1986), S. 376.
Grossman, On Killing (2009).
Nebenbei: Was würde wohl passieren, wenn »die Russen« als Gegensanktion einfach den deutschen Staatsanwaltschaften eine Liste mitsamt IP-Adressen der Deutschen übermitteln, die bestimmte Plattformen nutzen, die (wissenschaftliche) Literatur zugänglich machen?

Kommentar vom 2022-03-04, 10:08

@Kommentator*in von 09:51, letzter Satz: Nicht den Staatsanwaltschaften übermitteln (die unternehmen ja nix, wie ich anekdotisch belegen kann), sondern den Rechtsabteilungen der einschlägigen Großverlage. Oder besser noch deren Inkasso-Büros. J. L.

Kommentar vom 2022-03-04, 11:25

Bei _den_ Mengen wären sie alle heillos überfordert und würden alles tun, um die Datensätze loszuwerden und dabei nicht unter Strafvereitelung zu fallen. Dazu der Imageschaden 😱.

Kommentar vom 2022-03-04, 14:25

Komische Quelle, aber das hab ich recht sicher irgendwo anders schon schöner gelesen: Selbst die Deutschen standen damals beim Blitzkrieg in Frankreich 250 km im Stau.
"Am 13. Mai verursachte die Panzergruppe Kleist auf einer Strecke einen etwa 250 km langen Stau von der Maas bis zum Rhein."
https://de.wikibrief.org/wiki/Battle_of_France
[Minimal bessere Quelle: hier, Anm. J. L.]

Kommentar vom 2022-03-16, 21:22

[Unsachlichen Kommentar nicht veröffentlicht, J. L.]

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