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Die Blog-Postings sind Kommentare im Sinne von § 6 Abs. 1 MStV. Der Verfasser ist Jörn Loviscach, falls jeweils nicht anders angegeben.

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Schöner Verriss des Web3

2022-03-09 21:09

An die Blockchain-Gemeinde und an alle Politiker*innen, die sich von der beindrucken lassen: "Bei der Auseinandersetzung mit dem Web3 muss man immer wieder gegen den eigenen Verstand ankämpfen."

Web3: Im vollen Galopp vor die Wand – ein Kommentar

In related news noch dies: Schlechtes Zeugnis für Zeugnisse in der Blockchain.

Kommentar vom 2022-03-09, 21:45

Bitcoin adressiert das Problem der versteckten Kosten des Petrodollars. Nahezu jeder andere Anwendungsfall von "Blockchain" ist Unsinn oder Betrug.

Kommentar vom 2022-03-10, 23:17

[Englischen Text gestrichen, aber 1000 Dank an L.F. für den Hinweis auf die grandiose sarkastische Sammlung https://web3isgoinggreat.com/, J. L.]

Kommentar vom 2022-03-10, 23:59

@Kommentator*in von 21:45:
1. Nein! Bitcoin adressiert genau dieses eine Problem der Konsensbildung über (und der Legitimität) von Transaktionen unter anonymen Teilnehmern - mithilfe des Proof of Work.
2. Die in dem Artikel erwähnte Alternative, dass Staaten den Bitcoin als Währungsgegenwert nehmen, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
Es könnten zwar die Wallets physisch in Safes geschlossen werden, aber die Gefahr, dass jemand einen erfolgreichen Exploit für das Protokoll findet, werden Staaten nicht eingehen.
Zudem ist, soweit ich weiß, nicht genau klar, zu welchem Anteil was der Gegenwert von Bitcoin ist, also zu welchem Zweck Transaktionen mit Bitcoin getätigt werden.
Bitcoin ist zumindest zu einem nicht unwesentlichen Anteil Zwischenwährung für nicht direkt erwerbliche Coins [Bezeichnung für diese vergessen]. Damit ist auch der Wert von Bitcoin davon abhängig, dass Leute Geschäfte mit diesen "dark coins?" abwickeln.
2. [...] Zudem ist der Wechselkurs von Bitcoin auch von dem Handeln anderer Staaten abhängig (vgl. Chinas Bann von Bitcoinminern).
Die Risiken dieser Abhängigkeiten versucht man ja gerade, mit Gegenwerten als Rücklagen abzusichern.
TL;DR: Bitcoin ist zu volatil, der Zweck von Transaktionen zu undurchschaubar, der Kurs vom Handeln anderer Staaten abhängig, es ist nicht nur die physische Sicherheit zu gewährleisten. All diese Probleme sind beim Gold deutlich schwächer ausgeprägt?
L.F.

Kommentar vom 2022-03-11, 09:36

@L.F.: Und Gold funktioniert obendrein ohne Internet und ohne Strom. Allerdings weiß man ohne aufwändige Untersuchung nicht, ob innen im Barren nicht doch Wolfram ist. Und Gold zu gewinnen ist ein in vielerlei Hinsicht dreckiges Business. (Merke: Der Markt sogrt dafür, dass der Preis einer Unze Gold in der Größenordnung der Kosten für deren Schürfen bleibt. "Kosten" inklusive Bestechungen für Schürfrechte usw.) J. L.

Kommentar vom 2022-03-16, 14:28

In diesem Artikel wird nochmal gut erklärt, warum nahezu alle Anwendungsfälle von Blockchain Unsinn oder Betrug sind. Bitcoin betritt langsam die geopolitische Bühne. Aufklärung und Bildung zum Thema wird immer wichtiger. @J.L. hätten Sie nicht Lust, an der FH entsprechende Vorlesungen zum Thema Bitcoin anzubieten? Bitcoins Energiebedarf als Subvention für grüne Energie ist eventuell für den Studiengang RGE interessant.
S.N.

Kommentar vom 2022-03-16, 14:53

@S.N.: Bitcoins aus "grüner" Energie sind so ein Selbstbetrug (und oft auch Fremdbetrug) wie alles andere beim Thema Blockchain. Wenn der Strom zu einen bestimmten Zeitpunkt nicht auf dem normalen Markt verkäuflich ist (weil wir zu wenig Speicher haben; übrigens eine sinnvollere Investition im Vergleich zu Mining-Farmen), dann ist der Strompreis im Keller, also ist der Proof of Work gering; der Mining-Markt wird den vermeintlichen Vorteil schnell wieder wegnehmen. Außerdem ist "grüne" Energie nicht schadlos, die Mining-Hardware erst recht nicht. J. L.

Kommentar vom 2022-03-16, 16:58

@J.L ist Ihrer Meinung nach der Energieverbrauch gerechtfertigt? Durch steigende Akzeptanz und Adoption ist BTC doch auf dem besten Weg, zum Wertspeicher und liefert damit global allen Individuen einen Anreiz, die Zeitpräferenz zu senken. M.m.n. ein richtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, was den Energieverbrauch relativiert und rechtfertigen kann.
S.N.

Kommentar vom 2022-03-16, 21:07

@S.N.: "Energieverbrauch gerechtfertigt"? Nein, ich halte Proof of Work schlichtweg für eine Sünde. Natürlich muss man, wie ich oft genug betone, auf der anderen Seite dem US-Dollar den Energieverbrauch der U.S. Armed Forces zurechnen, aber wir brauchen ja nicht noch so'n Ding. – "Bitcoin als Wertspeicher"? Das halte ich für eine absurde Idee. Taleb hat dazu genug geschrieben. – Wenn überhaupt, dann Gold als Wertspeicher, denn das funktioniert auch ohne Internet und ohne Strom. Es ist aber eine andere Sorte von dreckigem Proof of Work: _echtes_ Schürfen und Schmuggeln und Klauen. Und man weiß nicht, wie viel Wolfram drinsteckt. Warum vertrauen wir einander nicht einfach? J. L.

Kommentar vom 2022-03-17, 00:48

@J.L.: mhh... Durch Proof of Work setzt Bitcoin quasi einen Anker in die reale Welt, wodurch in Verbindung mit der Spieltheorie und der Schwierigkeitsanpassung die vorgegebene Inflationsrate und das absolute Angebot von 21 Millionen Btc garantiert wird. Beides Vorteile gegenüber Gold, wo die Menge unbekannt ist und durch höheren Arbeitsaufwand mehr Gold geschürft werden kann. Würd mich nicht wundern, wenn Bezos und Co. irgendwann versuchen, „Space-Mining“ zu betreiben. Das macht Bitcoin (theoretisch) zum besseren Wertspeicher. Sicherlich sind Talebs Aussagen bzgl. Verschleiß und Stromverbrauch legitim, dafür erhält man aber eine Basiseinheit für die Messung von Wert, dem die Menschen vermutlich irgendwann eher vertrauen als einander. Smiley. S.N.

Kommentar vom 2022-03-17, 12:06

@S.N.: Die hier gelobte, in Bitcoin eingebaute Deflation ist ein weiteres Unding. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die Leute, die finanziell und/oder technisch nie oder erst spät eine Chance hatten, Bitcoins zu kaufen, extrem benachteiligt werden. – In der Tat kann es eine Goldinflation geben, siehe die "Große Elisabethanische Inflation"; aber ich finde, wie schon geschrieben, dass Gold sowieso auch keine Lösung sein darf. Vielleicht ist die Idee von "Wertspeicher" einfach allgemein Unfug. – Taleb sagt schon viel mehr as das. – "Eine Basiseinheit für die Messung von Wert": Dann nehmen wird doch einfach eine kWh elektrische Energie als die besagte Basiseinheit, denn im Endeffekt ist Proof of Work nichts anderes als das, nur dass die elektrische Energie dort pervers vergeudet wird. – Wollen wir in einer Welt leben, in der wir uns so wenig vertrauen?
Ich schließe die Diskussion hier; danke für die gemachten Beiträge. J. L.

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