Home | Lehre | Videos | Texte | Vorträge | Software | Person | Impressum, Datenschutzerklärung | Blog RSS

Die Blog-Postings sind Kommentare im Sinne von § 6 Abs. 1 MStV. Der Verfasser ist Jörn Loviscach, falls jeweils nicht anders angegeben.

vorheriger | Gesamtliste | jüngste | nächster

Photovoltaik entfesseln: das Solar-Semester

2022-03-10 11:31

Angesichts der Weltlage müsste doch zumindest eine Partei, die in den Farben der Ukraine auftritt, schleunigst ein Photovoltaik-Entfesselungsgesetz durchpeitschen. Dass man Statiker*in, Zimmerin*er, Dachdecker*in, Elektriker*in und Versicherungsfachkraft bemühen muss – von denen es viel zu wenig gibt – sorgt für einen wahnsinnigen Stau.

Dafür, dass nicht zu viele Leute beim DIY vom Dach fallen oder das Haus abfackeln, sollte eine Online-Fortbildung reichen, mit Pflichtprüfung am Ende. Hochschulen sollten die gratis anbieten. Das wäre mal eine sinnvolle Auslegung der "Third Mission"!

Es scheint mir leider schwierig, den Hochschulen klarzumachen, dass sie gefälligst alle Student*innen, deren Fach irgendwas mit Strom zu tun hat, parallel zum Studium für den Job als Photovoltaik-Installateur*in qualifizieren sollen. Denn wo kämen wir hin, wenn Student*innen mit ihren Händen arbeiten und echtes Geld verdienen würden, statt für uns Drittmittelanträge und Paper zu schreiben!!1!

Nichtsdestotrotz schlage ich vor: Wir erklären das Sommersemester 2022 zum Solar-Semester und machen gar keine Veranstaltungen nach Plan, sondern nur noch die Theorie und die Praxis der Installation von PV, Wärmepumpen usw.

Ein wenig Entfesslung hat es schon in den vergangenen Jahren gegeben: Man braucht inzwischen oft keine Baugenehmigung mehr und kann sich, indem man die Anlage als Hobby deklariert und auf die Rückzahlung der Umsatzsteuer pfeift, auch die Steuerformalitäten schenken. Aber der (selbstgemachte?) Fachkräftemangel ist das größere Problem.

Was die (selbstgemachten?) Lieferengpässe bei Panels, Wechselrichtern und häuslichen Speichern angeht, bräuchten wir hierzulande halt mal die ein oder andere Gigafactory für diese Produkte.

Kommentar vom 2022-03-10, 14:51

Es ist schon erstaunlich, dass die Frage https://blog.innovation4e.de/2021/05/20/wie-schaffen-wir-mehr-waermepumpen-im-bestand/ nicht an allen medialen Lagerfeuern geführt wird.
Selbst der aktuelle Test-Artikel https://www.test.de/Solaranlage-Gute-Renditen-sind-moeglich-und-so-gehts-5250676-0/ lässt diesen wichtigen Aspekt in der "RoI-Betrachtung" außen vor.
Aus dem persönlichen Umfeld kann ich nur bestätigen, dass die Berechnungen von M. Miara richtig sind - vergleichbar dieser Messung: https://twitter.com/HolzheuStefan/status/1501840975341182980
Es bleibt spannend, ob das Thema mit seinen "politischen" Anfangs- und Randbedingungen jetzt gesellschaftlich skaliert wird … ;-)
Thomas Wittlinger

Kommentar vom 2022-03-13, 22:30

Ich habe Elektrotechnik mit Spezialisierung Energietechnik/Energiesysteme studiert und noch nie eine Drehstromsteckdose installiert, geschweige denn eine PV-Anlage, geschweige denn auch nur eine normale Steckdose.
Würde das sehr gerne ändern – dafür gibt's aber scheinbar keine Anlaufstelle. Sollte man da einfach mal bei einem Elektroinstallationsfachbetrieb in der Nähe fragen, ob man dort in den Semesterferien arbeiten kann? Oder ganz viel YouTube gucken und hoffen, dass man sich bei der Autodidaktik nicht umbringt? Ich wäre dankbar für Vorschläge, wie ich Mensch, der bald einen Master in Elektrotechnik haben wird, an Erfahrungen mit derart "einfachen" praktischen Tätigkeiten kommen kann.

PS: Ja, das soll heißen: Hier schreibt ein Student, der den Vorschlag mit einem lauten "JA!" annehmen würde.

Kommentar vom 2022-03-13, 22:49

@Kommentator*in von 22:30: Vielleicht auch bei der örtlichen IHK fragen. Ich werde das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen und bin selbst für alle Hinweise dankbar. J. L.

Kommentar vom 2022-03-14, 12:35

Zu meiner Zeit war es sehr verbreitet, vor dem Studium eine Lehre, z. B. Elektroinstallateur, vormals Starkstromelektriker, 3,5 Jahre + ein Jahr Monteurszeit zu machen. Immer mit einem Bein im Gefängnis und zum Teil unter Lebensgefahr arbeitend. Da lernt man, was Verantwortung bedeutet. Bloß einen IHK-Crash-Kurs an einer Brettmontages zu absolvieren kann ich nur belächeln. Sicherlich existieren heute leider viel weniger Lehrstellen für dieses Fach, aber das hat die Wirtschaft selbst zu verantworten, die jetzt jammert und sich wundert. (Peter Marks)

Kommentar vom 2022-03-14, 12:53

@Peter Marks: Die Krux ist aber, dass uns als Gesamtgesellschaft die fehlende Ausbildung nun auf die Füße fällt. Die Betriebe dagegen dürfen sich über brechend volle Auftragsbücher und über – wie soll ich sagen – nach oben elastische Preise freuen. "Win-win"! J. L.

Kommentar vom 2022-03-15, 06:47

@Peter Marks: Ich habe zwischen Abi und Studium mit einer Ausbildung geliebäugelt, sogar sehr intensiv.
Ich wollte aber nicht zwei Jahre als Einser-Abiturient in der Berufsschule sitzen – mit vermutlich kaum motivierten anderen Auszubildenden und das auch noch, nachdem ich mich in der Schule schon streckenweise sehr gelangweilt habe. Nicht die Ausbildung an sich hat mich abgehalten, sondern dass ich mich nicht unter Gleichgesinnten gefühlt hätte.

Auf diese Lücke zielt wohl das duale Studium. Bloß habe ich nie gehört, dass Abstimmung zwischen Uni und Betrieb stattfindet. Die mir bekannten dualen Studis mach(t)en das wegen des Geldes, nicht aus Überzeugung und/oder wurden enttäuscht.

Dass ich weder die Ausbildung nach der Schule noch ein duales Studium wollte, bereue ich nicht. Und ich will auch keinen Crash-Kurs an einem Demonstrator, sondern richtig arbeiten mit Zeitdruck und Verantwortung. Dass das schlichtweg unmöglich ist, glaube ich nicht und bleibe wie J.L. an der Idee dran.
M.H.

Neuer Kommentar

0 Zeichen von maximal 1000

Ich bin die*der alleinige Autor*in dieses Kommentars und räume dem Betreiber dieser Website das unentgeltliche, nichtausschließliche, räumlich und zeitlich unbegrenzte Recht ein, diesen Kommentar auf dieser Webseite samt Angabe von Datum und Uhrzeit zu veröffentlichen. Dieser Kommentar entspricht geltendem Recht, insbesondere in Bezug auf Urheberrecht, Datenschutzrecht, Markenrecht und Persönlichkeitsrecht. Wenn der Kommentar mit einer Urheberbezeichnung (zum Beispiel meinem Namen) versehen werden soll, habe ich auch diese in das Kommentar-Textfeld eingegeben. Ich bin damit einverstanden, dass der Betreiber der Webseite Kommentare zur Veröffentlichung auswählt und sinngemäß oder zur Wahrung von Rechten Dritter kürzt.