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Heucheln ist menschlich

2022-11-24 21:11

Ein paar Jahre nach dem Erscheinen habe ich nun mal Simler/Hanson: The Elephant in the Brain gelesen. Die große Frage: Warum sind alle anderen Leute immer solche fürchterlichen Heuchler*innen? Hm, ja, warum bloß?

Warum hat man das SUV, das neueste iPhone oder sichtbar im Regal den Rubik-Würfel? In dieser thematischen Ecke finde ich auch eine schöne Idee, dass Werbeanzeigen gar nicht die Käufer*innen adressieren müssen, sondern sich auch an deren Umfeld richten können, das sich diese Sachen gar nicht leisten kann (S. 184f).

Etwaige Ähnlichkeiten zwischen Laubenvögeln (S. 190) und Multimilliardär*innen oder akademischen Publikations-Held*innen sind reiner Zufall.

Natürlich gibts auch ein Kapitel zum Thema Bildung. Das referenziert naheliegenderweise größtenteils auf Bryan Caplan. Wenn Schule leicht wäre oder gar Spaß machen würde, würde sie nicht die Spreu vom Weizen trennen (S. 233). Schule dient der Domestizierung (S. 238). Ich würde ergänzen: Glaubt wirklich ernsthaft jemand, dass sie*er es schafft, die in den Schul-Lehrplänen oder den Hochschul-Modulbeschreibungen gelisteten Kompetenzen zu vermitteln?

Bei Medizin gehts um auffällige, teure Bemühungen des Heilens (S.  242). Homöopathie von der Krankenkasse, anybody?

In der Gemeinde gibts Loyalitätspunkte dafür, dass man die langweilige Predigt erträgt (S. 270) und dass man die jeweiligen Orthodoxien mitträgt (S. 277). Loyalität zu beweisen, verlangt, Sachen jenseits der Rationalität zu glauben (S. 298) – oder zumindest so zu tun, als ob.

Am Ende geht es darum, dass wir nicht ohne Heucheln leben können. Ich würde sogar sagen, dass bisher jeder Versuch, eine Ideologie ohne Heucheln durchzudrücken, mehrere Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

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