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p-Werte in Psychologie-Lehrbüchern

2019-09-27 16:11

Die Mehrzahl der untersuchten Psychologie-Lehrbücher soll p-Werte mit der Wahrscheinlichkeit verwechselt haben, dass das Ergebnis zufällig so aussieht, findet die Studie Failing Grade: 89% of Introduction-to-Psychology Textbooks That Define or Explain Statistical Significance Do So Incorrectly. Viele Bücher haben wohl außerdem das Problem, dass statistische Signifikanz als feste Bestätigung der Alternativhypothese beschrieben wird.

Der Lösungsvorschlag im Paper ist, p-Werte erst nach dem ersten Statistikkurs einzuführen. Das halte ich natürlich für wenig hilfreich, denn auch dort wird Unsinn unterrichtet.

Wäre mal ein schöne Aufgabe, das auch für deutschsprachige Lehrbücher zu untersuchen. Eine weitere Aufgabe: Was für Unsinn wird zu Faktorenanalyse, SEM, IV usw. geschrieben?

Ob die Verlage der als fehlerhaft erkannten Lehrbücher benachrichtigt worden sind, erfährt man nicht.

Kommentar vom 2019-09-27, 17:13

Vor etwa 25 Jahren hätte ich eine ganze Klasse zum Essen eingeladen, wenn die Studierenden ein deutschsprachiges Lehrbuch "Physik für Ingenieure" gefunden hätten, in dem das dritte Newtonsche Gesetz korrekt erklärt wird. Die Einladung hat nie stattgefunden.

Kommentar vom 2019-09-28, 09:43

Ich hatte vor längerer Zeit unter eines Ihrer Videos geschrieben, dass die Statistikbücher wohl neu geschrieben werden müssten. Dies verneinten Sie. Die Kritik am p-Wert als alleiniges Maß für eine Interpretation eines Tests ist verständlich. Ich würde es aber begrüßen, wenn nach der Kritik sich mal jemand die Zeit nehmen würde sich einen statistischen Test zu nehmen, der falsch interpretiert wird, und dann zeigen würde wie es richtig geht. Wenn gerade Studenten nicht wissen bzw. nicht erklärt bekommen wie es zu machen ist, wird sich wohl nichts ändern.

Kommentar vom 2019-09-28, 11:15

Das Problem ist, dass es dafür keinen richtigen Weg gibt, genauso, wie es (so sieht es schwer aus) keinen richtigen Weg gibt, ein Perpetuum mobile zu bauen. Die Statistik-Anwender verlangen etwas von der Statistik, das sie prinzipiell nicht leisten kann. So lange sich diese Erkenntnis nicht in der Breite durchsetzt, helfen auch die Dutzende an Alternativ-Vorschlägen (Konfidenzintervalle, Bayes-Faktoren, second-generation p-values, ...) nicht. Zu jedem dieser Alternativvorschläge gibt es typischerweise lange Erklärungen und viele Anwendungsbeispiele. J.L.

Kommentar vom 2019-09-28, 14:03

Kommentar vom 2019-09-28, 11:15
Genau diese, wie Sie es nennen, Alternativvorschläge müssten Einzug in die Hochschulen finden. Tun sie aber bisher nicht. Des Weiteren frage ich mich jetzt natürlich auch, was die ganzen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Klima dann eigentlich wert sind, von den Klimasimulationen mit wie ich gelesen habe 10^30 bis 10^60 Freiheitsgraden, die dann als Bibel hingestellt werden, ganz zu schweigen. Aber das darf ja neuerdings nicht mehr diskutiert werden. Und das Glyphosat wird verboten, weil eine einzige Studie von hunderten eventuell eine Krebswahrscheinlichkeit suggeriert, die laut BFR nicht vorhanden ist. P.B.

Kommentar vom 2019-09-28, 15:17

Die Zahl der Freiheitsgrade ist weniger das Problem. Man macht ja auch andere massiv große Simulationen (zum Beispiel in der Aerodynamik), die sehr genau hinkommen. Ein größeres Problem ist, dass man nicht weiß, was man wie in das Modell reinnehmen muss: Wie schnell werden die Methanvorräte im (ehemaligen) Permafrost frei? Was passiert im übersauerten Ozean mit dem Plankton? Wie läuft der Tauprozess des Eises in Grönland ab? usw. In der Tat ist ein Problem, das dies nicht außerhalb von Fachkreisen diskutiert werden kann, ohne ein Einfallstor zu öffnen. (Die Intelligenzforschung hat ein ähnliches Problem.) Klar ist: Wir sind sozusagen mit Tempo 200 durch den Nebel unterwegs und sehen vor uns schemenhaft eine Wand auftauchen. Wie der Crash genau ablaufen wird, können wir nicht sagen. Dass man auf die Bremse treten sollte, scheint aber mindestens ein Gebot der Vorsicht. J.L.

Kommentar vom 2019-10-12, 17:16

Was soll man von den Lehrbuch-Verlagen erwarten, wenn bereits im Vorfeld der Wissenschafts-Verlage keine “offene Fehlerkultur“ besteht? vgl.: https://statmodeling.stat.columbia.edu/2019/10/11/elsevier-association-for-psychological-science/#comments
Tja den Mediziner, in unsäglicher Verquickung mit dem Boulevard-Journalismus, gelingt es immer wieder durch den Signifikants-Test zu fallen, aktuell z.B.: Der „Heilige Gral der Krebsforschung“ ist oft kaum besser als ein Münzwurf
http://en.rwi-essen.de/unstatistik/95/
Ich denke, aus eigener, jahrzehntelanger Erfahrung, das weite gesellschaftliche Bereiche nicht nur handwerkliche Stochastik-Probleme – sondern ergänzend, ein massives “Fehlerkultur-Defizit“ haben!
Hierzu erlaube mir ebenfals, einen Verweis auf G. Gigerenzer (+)...
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs40685-018-0074-2
MfG Thomas Wittlinger

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