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Gute Kenntnisse von "proper numbers", "subjunctive scaling" und "declarative fractions"

2019-11-08 09:20

Falls immer noch jemand glauben sollte, dass man Menschen einfach befragen kann, ob sie eine bestimmte Sache beherrschen, ist dieses (schon ein halbes Jahr alte) Paper hoffentlich hilfreich: Schüler kreuzen gerne mal an, dass sie "proper numbers", "subjunctive scaling" und "declarative fractions" verstehen.

Das Paper versucht sich an einer soziographischen Analyse. Ich fände dagegen viel plausibler, dass die Schüler (sic!, weniger die Schülerinnen) einfach die Reihe runter alle Themen angekreuzt haben, ohne sinnentnehmend zu lesen.

Was dieses Thema an einem Institut für Arbeitsmarktforschung verloren hat, ist mir unklar.

[Nachtrag: Den Balls of Steel Award würde ich verleihen, wenn jemand in eine Bewerbung schreibt, dass er über sehr gute Kenntnisse von Proper Numbers, Subjunctive Scaling und Declarative Fractions verfügt. Wird die Gegenseite interessiert nachfragen – oder aber heuchlerisch nicken?]

Kommentar vom 2019-11-08, 14:19

Dieser Aberglaube ist allerdings noch der Gold-Standard unter Bildungssoziologen, wie man z.B. diese Woche erneut hier https://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/fakultaet/Institute/erziehungswissenschaft/Schulpaedagogik/ICILS_2018__Deutschland_Berichtsband.pdf feststellen konnte.
Ergänzend sind in der „Studie“ erneut handwerkliche Stochastik-Mängel offensichtlich u.a. Skalierung der „Leistungspunkte/Kompetenzstufen“ (bis 800Pkt.) um überhaupt den statistischen Rauschbereich zu verlassen und Signifikanzen zu „produzieren“ (u.a. Abb.“.4/12.4) Ob die Rücklaufquoten (Tabelle 2.7.) als repräsentativ zu betrachten sind, dürfte ebenso fraglich sein?
Erschreckend ist in diesem Zusammenhang erneut das unreflektierte Medienecho zu solchen „Studien“ z.B. https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/computernutzung-ein-drittel-der-schueler-ist-abgehaengt-a-1294424.html
Es bleibt spannend, im öffentlichen Debattenraum – Thomas Wittlinger

Kommentar vom 2019-11-08, 17:27

Hallo Herr Wittlinger,
nun, immerhin scheint man die SuS da nicht nur befragt zu haben, sondern auch getestet zu haben, allerdings in einem Pseudo-Programm (Abb 2.3), das wohl von Leuten gemacht ist, die aus den Zeiten von Compactcassetten und Schallplatten stammen. Man hätte besser die echten Apps fürs Handy instrumentiert. So aber wird das Ganze in ein angestaubtes Pflichtfach "Wir lernen Windows 95 bedienen und Flussdiagramme zeichnen" ausarten. Hinzu kommt der übliche Meta-Kompetenz-Unsinn, denn ohne das Grundlagenwissen der diversen Fächer wird das alles nichts mit dem hübschen Bewerten, Erzeugen usw. Das Skalieren auf M 500 und SD 100 macht schon PISA so; das ändert zwar nichts an der Statistik, sieht aber für das uneingeweihte Publikum dramatischer aus – und das ist ja, was heute zählt. :-( J.L.

Kommentar vom 2019-11-14, 12:55

Haben Sie das schon gesehen? Modellversuche mit funktionalen MRT´s während des Schulunterricht in chinesischen Grundschulen: auf youtube: "#WSJ #ArtificialIntelligence #China
How China Is Using Artificial Intelligence in Classrooms | WSJ"
1,047,705 views•Oct 1, 2019
https://www.youtube.com/watch?v=JMLsHI8aV0g

Kommentar vom 2019-11-15, 10:58

@Kommentator(in) von 12:55: Ja, schon gesehen. Aber das als "fMRT" zu bezeichnen, ist so, wie das Zählen mit den Fingern als Mathematik zu bezeichnen. Egal, wenn die Investoren es glauben. Irgendwo (im Druck) habe ich geschrieben, dass die Kids so vor allem eine Sache lernen werden: Aufmerksamkeit für die Maschine zu simulieren, so wie sie jetzt schon mit offenen Augen schlafen können. – Und hier die nächste Innovation für den garantiert gelingenden Mathe-Unterricht:
https://pavlok.com/products/pavlok-2/
(bitterböser Zwinkersmiley)
J.L.

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