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(Dé-)formation professionnelle

2020-02-12 09:50

Für manche Lehrende und viele Bildungsforschende scheint es eine Sache zu geben, die absolut tabu ist: dass sich jemand etwas beibringt, ohne professionell betreut worden zu sein. Aber ohne Beschulung und ohne Zertifikat dürfen Wissen und Können nichts wert sein, denn das wäre nicht nur geschäftsschädigend für die Lehrenden (etwa beim "Lifelong Learning"), sondern verletzt vielleicht obendrein deren Selbstwertgefühl. Das Bildungssystem könnte deshalb die Tendenz entwickelt haben, diesen Tabubruch zu verhindern.

Es scheint zwar auch den Gegenpol zu geben – etwa, wenn die professionelle Betreuung darin besteht, unverstanden zusammengegooglete Referate nicht in der Luft zu zerreißen –, aber Beschulung und Zertifikat bleiben selbst dann Pflicht. Ein Zertifikat ist Talisman, Fetisch und vieles mehr.

Kommentar vom 2020-02-12, 12:36

Vor etwa 2 Wochen bin ich durch die mündliche IHK-Prüfung gerasselt ... vermutlich wegen falscher Interessen. Ich baue neuronale Netze und ohne Sie, Herr Professor Loviscach und Dr. James McCaffrey (bester Blog) – ich will es lieber nicht wissen! Werte ich die Meinungen meines Umfelds, liegen solche Tätigkeiten für mich out of scope.

Dennoch kann ich stolz auf mein eigenes Konzept blicken, wie man neuronale Netze bauen sollte, denn so wirklich finden konnte ich keins. Davon wollte ich Ihnen schon längst berichtet haben, und bevor ich es nie mehr mache, mache ich das jetzt einfach hier.
https://github.com/grensen/perceptron_concept
Dem innovativsten Unternehmen 2018 konnte ich das Konzept nicht näher bringen, leider. Beklagen möchte ich mich nicht, das LSTM hat fast 20 Jahre auf den Durchbruch gewartet.
Dabei ist das nicht mein Ziel, schwarz für mein Land sehe ich dennoch, Hybris in seiner schlimmsten Form.
Wie konnten wir eigentlich Worte lernen, ohne die Buchstaben zu kennen.

T.K.

Kommentar vom 2020-02-12, 12:46

@Kommentator(in) von 12:36: Aber wichtig ist die Rückkopplung mit einer möglichst breiten Auswahl von anderen Leuten, in diesem Fall zum Beispiel auf Stack Overflow. Ohne einen solchen Austausch besteht die Gefahr, sich grandios zu verrennen. Ich merke das, wenn mir Leute ihre Ideen für fragwürdige Wasserturbinen oder Beweise (?) von Millennium-Problemen schicken. J.L.

Kommentar vom 2020-02-12, 13:34

Das finde ich auch, und für unseren Selbsterhaltungstrieb könnten wir das doch auf Deutsch (Community?) machen, um zu sehen wie es noch besser geht. Welche Konzepte kennen Sie und wo finden wir komplette praktische Anleitungen (ohne Konzern-Interface)? Das Perzeptron-Konzept wäre mein Beitrag dazu.

Das Konzept auf Ihrer Maschine ist in der Lage, in unter 10 Minuten den MNIST-Datensatz zu durchlaufen und auf über 97% im Test zu kommen, mehr % dauern länger. Den Beweis kann ich liefern.
Was für mich am meisten zählt: Ich habe eine Lebensaufgabe gefunden, für die ich gerne aufstehe, danke. Wissen Sie, das Ding ist wahrlich ein ultimativer-Multi-Funktions-Approximierer.

Draußen ist viel Hokuspokus, das hat mich so viele Nerven gekostet, ich bin auf mehr Unklarheit gestoßen als alles Andere. Profis und Professoren, die sich beklagen, wie undurchsichtig alles ist, wie sollte es da mir gehen. Dennoch, es geht, der Beweis ist da, und ich hoffe, Sie haben genau so viel Spaß daran wie ich. :-)

T.K.

Kommentar vom 2020-02-12, 14:27

@Kommentator(in) von 13:34: Vorsicht bei der Kommunikation! Wenn Unternehmen oder potenzielle Investoren solche Texte lesen, lassen einige der überschwänglichen Formulierungen deren Warnlampen angehen. J.L.

Kommentar vom 2020-02-12, 23:08

"... scheint es eine Sache zu geben, ..." Wie kommen Sie denn darauf? Ist das ihr Bauchgefühl? Wen interessieren denn im richtigen Berufsleben - jenseits der Akademie - die Meinung von Bildungsforschern und Lehrenden? Die Abschlüsse, Praktika und die Noten sind, was zählt! Aber klar, eine gewisse Perversion besteht darin, in machen MINT-Fächern grottige Tutorien besuchen zu müssen (während für noch furchtbarere Vorlesungen keine A-Pflicht besteht), aber für manch einen Tutor und dessen Chef sind auch korrekt abgegebene Übungsblätter ausreichend. Und in welcher Klausur muss man schon seinen Personalausweis zeigen? Bei Ihnen kennt man sich, aber an den Unis in München, Hamburg, Berlin etc.? ... Das Ghostwriter-Geschäft für B.Sc.-Arbeiten blüht so, wie Helmut Kohl es dereinst für Ostdeutschland voraussagte.

Kommentar vom 2020-02-13, 00:12

@Kommentator(in) von 23:08: Das hier beschriebene Problem ist weniger eines für die Studierenden als für die Lehrenden: Weil die bisher vorgeschriebenen Lippenbekenntnisse (kompetenzorientierte Modulbeschreibungen, sage ich nur) offensichtlich unwirksam sind, werden sicher bald Zwangsschulungen kommen, was die intrinsische Motivation aller (zum Schaden ihrer Karriere) an der Lehre wirklich interessierten Lehrenden rapide vermindern wird. – Ich mache bei jeder Klausur eine Ausweiskontrolle. Da hilft dann nur die Technik, mit der man beim TÜV die Führerscheinprüfung besteht. Oder ein gutes Gedächtnis in Verbindung mit einem Smartphone im Schließfach auf dem vermeintlichen Weg zur Toilette. Aber ein paar Tage nach der Klausur ist so oder so alles vergessen. So what? J.L.

Kommentar vom 2020-02-13, 20:47

"... Zwangsschulungen kommen, was die intrinsische Motivation aller (zum Schaden ihrer Karriere) an der Lehre wirklich interessierten Lehrenden rapide vermindern wird. ..." Dann vielleicht doch lieber die Trennung von Forschung und Lehre und ein massiver Ausbau der Hochschuldidaktik. ... JA, das wird nicht passieren, schon klar. Nicht mal besonders begabte Tutoren, die für 11 Euro die Stunde Mathe-Ergänzungskurse halten, haben außer einem gewissen Prestige und einer höheren Flirtquote akademisch was davon, auf der Anerkennungs-Ebene. Es gibt keine Tutoren-Punkte, die als Credit Points / Credo, la academia é mobile! auf die Gesamtleistung angerechnet werden ...

Kommentar vom 2020-02-13, 22:46

@Kommentator(in) von 20:47: Hier und da gibts Versuche, tutorierende Tätigkeiten als Prüfungsleistung eines Moduls eines höheren Semesters zu definieren. Wenn man das als Hochschule richtig einfädelt, muss man sogar nicht mal mehr die 11 Euro zahlen. (Habe ich da etwa gerade jemanden den Namen Charles Ponzi murmeln hören?!) J.L.

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