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Vorlesungsmitschreibekompetenz

2020-03-25 12:07

Das Mitschreiben in Vorlesungen solle gelehrt werden, fordern Stefan Aufenanger und Jasmin Bastian (S. 123). – Aber das ist doch ein nach dem Studium nutzloser Skill! Ähnliches gilt für das "korrekte" Zitieren, auch wenn man letztere Kompetenz immerhin noch für seine Doktorarbeit benötigt. Zumindest meist.

So wie Vorlesungen obsolet sein sollten, sollte auch das Mitschreiben obsolet sein. Was müsste an beider Stelle treten?

Am Rande spannend ist, dass 84 % der Teilnehmenden angeben, MOOCs "überhaupt nicht" zu kennen (Abb. 6 auf S. 119).

Kommentar vom 2020-03-25, 19:55

Während der Vorlesung schreibt man eh nur mit, um nicht einzuschlafen.

Die weniger Kreativen schreiben dann halt tatsächlich mit, was der Professor sagt, die Kreativen malen was Schönes und der Rest schläft.

In Zeiten von Folien in Kombination mit teilweise wirklich ausgezeichneten Skripten / alternativen Unterlagen ist das Mitschreiben allerdings ernsthaft zu hinterfragen. Wenn man schon in der Vorlesung geht, könnte man stattdessen auch aufpassen.
CS

Kommentar vom 2020-03-25, 23:40

@CS: Die Idee gefällt mir! Warum, statt mitzuschreiben, nicht zur Abwechslung einfach mal aufpassen? J.L.

Kommentar vom 2020-03-26, 04:05

Wer mitschreibt, spielt nicht am Smarti, außer er, sie, es ist ein Oktopode. :-) Mitschreiben kann eine parallele motorische Aktivität zum Aufpassen sein, denn die natürlichen Bewegungsimpulse von durch Jagen, Sammeln, Wandern geprägten Sapienten ;-) - 600 Jahre seit Erfindung der Schrift, 120 Jahre seit Einführung der Schulpflicht - vermochten es nicht, die Funktionsweise des humanoiden Gehirns auf das Sitzen zu konditionieren, außer man ist Beamter - außerhalb der Hochschule, wohlgemerkt. Der im Hörsaal bei Vorlesungen herumtigernde Professor ist ein typisches Beispiel für den Bewegungsdrang der Mammalia. Wenn man allerdings Muränen oder bestimmte Steinbeißer und andere Korallenriff-Arten in Mathematik unterrichten könnte, wäre man des Stillsitzens UND maximaler Aufmerksamkeit gewiss. Bei K.I.' s wird das ähnlich sein. Schöne Grüße, Cepha Loida

Kommentar vom 2020-03-26, 08:27

- sinnvolle Ergänzung zum Aufpassen: Randnotizen
  - nur in eigenem „Dummsprech“ (à la Feynman-Methode):
    - „Was soll der ganze Abschnitt?“
    - „x sollte ich nochmal nachlesen“
    - „y ist klausurrelevant“
  - „z hat der/die Vortragende selbst nicht wirklich verstanden, kommt also nicht dran“
  - Vorteil: man hat die für Studis __wirklich__ relevanten Informationen __selbst formuliert__ (soll ja gut sein) und auf dem Blatt isoliert (so dass man nur den Rand abscannen muss).
- Ein m.E. ausgezeichnetes Format für Skripte (kenne ich von Prof. Dr. Frank Hettlich vom KIT):
  - Papierskript, gebunden – mit Clou: wenn man es aufschlägt, ist immer nur die linke Seite bedruckt, die rechte ist (rechtshänderfreundlich) frei zum Notizen schreiben.
  - Gibt‘s entsprechend auch für Linkshänder (mit der linken Hand Schreibende, oder wie gendert man das richtig?)

Kommentar vom 2020-03-26, 08:33

- Grundsätzliche Kritik an der Studie:
  - Digital muss nicht grundsätzlich ablenken.
    - Ich glaube, normales Computern lenkt ab, weil Interaktion mit dem Cursor ständig einen Feedbackloop erzeugt. (Man kann Cursor nicht blind schieben, Stift geht blind.)
    - Auch das Kontrollieren „vertippt?“ und „macht der Rechner, was ich will?“ holt jedes Mal aus den Gedanken zum eigentlichen Thema.
    - Wer ausprobieren will, wie wenig ablenkend etwas Digitales auch sein könnte, kann ja mal ein Textdokument öffnen und den Bildschirm ausschalten: Fühlt sich an wie eine Schreibmaschine. Das „analoge Gefühl“ eines Tools, das __ausschließlich__ Input akzeptiert und in Ruhe denken lässt. Sogar extremer als beim Mitschreiben mit Zettel+Stift.
  - Warum in der Forschung von „ist a __oder__ b besser“-Fragen ausgehen? Die Eigenschaften von Stift und Laptop, die je nach Anwendungsfall relevant sein können, mal konkret zu benennen und zu untersuchen, wäre wirklich spannend gewesen.

Kommentar vom 2020-03-26, 11:05

@Kommentator(in) von 08:33: Danke für die guten Gedanken! Zum allerletzten Punkt: Der Anwendungsfall wird zu oft ignoriert – und vor allem wird die Person zu oft ignoriert. Man betrachtet immer nur Mittelwerte über die Klasse, siehe die Effektstärken-Ranking-Manie bei Hattie & Co. J.L.

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