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Die Blog-Postings sind Kommentare im Sinne von § 6 Abs. 1 MStV. Der Verfasser ist Jörn Loviscach, falls jeweils nicht anders angegeben.

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Handschrift vs. Tippen und das Hirn

2020-04-24 10:21

Mal aus chinesischer Sicht: Children’s neurodevelopment of reading is affected by China’s language input system in the information era – mit den üblichen Gefahrenhinweisen wegen der Verwendung von p-Werten, dem kleinem N und überhaupt fMRI.

"In language development, we learn how to speak before learning to read" erinnert mich daran, dass diese zeitliche Reihenfolge zwar für die Muttersprache wohl unumgänglich ist (halt "language development"!), aber für weitere Sprachen nicht. Man stelle sich Lateinunterricht in der Schule vor, der mit "Mihi nomen est ..." beginnt statt mit "Gallia est omnis divisa ...". Oder ist das inzwischen sogar so? Und Mandarin ist (weil die Zeichen deutlich weniger mehrdeutig sind als ihre Aussprache) viel leichter zu lesen als zu hören. Aber ist es richtig, mit dem Leichten anzufangen?

Kommentar vom 2020-04-25, 00:16

Ist es richtig, diese sprachdidaktischen Fragestellungen bis in die Belanglosigkeit zu verallgemeinern? ;-) Der Vergleich mit Latein, einer Sprache, die heuer von keinem Kind, so hofft man zumindest, als Muttersprache gesprochen wird, hinkt ziemlich. ;-) Schreiben oder sprechen Menschen in der Arbeitswelt prozentual nicht sowieso mehr, als dass sie sprechen? (Die peer-reviewed speech note oder spoken presentation ist doch etwas marginalisiert gegenüber all den Papern, die erscheinen) :-) Danke Ihnen für den Denkimpuls.

Kommentar vom 2020-04-25, 10:35

@Kommentator(in) von 00:16: Wo kein Vergleich ist, kann auch keiner hinken. Mir ging es um den Erwerb einer Zweit-/Dritt-/usw.-Sprache. Und Latein ist ein Beispiel dafür (war es zumindest in meinen Zeiten), dass man nicht mit Belanglosigkeiten und endlos zeitvergeudendem allgemeinen Rumgestammel versucht, Sprachunterricht auf das Sprechen zu fokussieren und ausschließlich in der Fremdsprache zu arbeiten. Es hat mich Jahre gekostet, bis ich begriffen habe, warum keines der vielen Chinesisch-Lehrbücher für mich funktioniert hat. Wenn die erste Lektion – des gegenseitigen Begrüßens halber – mit Sachen wie 我也很好 loslegt und man sich diese – zu jenem Zeitpunkt viel zu heftigen – Strichfolgen ins Hirn hauen soll, ist das ein Ding der Unmöglichkeit. J.L.

Kommentar vom 2020-04-25, 19:12

Was hat denn dann letztendlich funktioniert fürs Chinesischlernen? Bei wie vielen Zeichen sind Sie aktuell? Diese tonalen Sprachen kann man versuchen, musikalisch sprechen zu zu lernen, wie Gesänge, ich erinnere mich gerade nicht mehr wie der Ansatz hieß. Was halten Sie von Vera Birkenbiehls Ansatz? Muss man die Sprache lernen, wie mathematische Strukturen, folgt der Aufbau der Zeichen eigentlich einem logischen Schema? :-) Wir wurden 1982-85 übrigens schon im Lateinunterricht angehalten, über Alltägliches im Unterricht miteinander zu sprechen, neben der Lektüre der Klassiker - und die ultrakonservativen Lateinlehrer standen immer mit geschwollen Kämmen an der Brüstung des Gebäudes, schauten auf die Schüler herab und parlierten auf Altgriechisch oder prätendierten es zumindest, das eine so schräg wie das andere. Als ich dann auf der igs war, entpuppte sich der Sprachunterricht als Enttäuschung, der Schwerpunkt lag auf der politischen Diskussion halbverstandener Texte.

Kommentar vom 2020-04-25, 21:28

@Kommentator(in) von 19:12: Der Durchbruch war, mit den Komponenten der Zeichen anzufangen, quasi mit dem grafischen Alphabet. Erst ganz wenige Striche. Dann kann man sich die anderen Zeichen viel einfacher merken (Chunking): 我 = Hand + Hellebarde = ich. 霸 = Regen + Leder + Mond = Tyrann. Wie man sieht, sind die Zusammenhänge aber selten so lustig, wie Vera Birkenbihl einem glauben machen will (好 = Frau + Kind = gut), so von wegen nur ein paar Minuten pro Tag. No way. Stunden! Aber die Aussprache (auch wichtig für die Eingabe per Pinyin) lässt sich oft ansatzweise aus den Komponenten erschließen. – Das "Dekodieren" von Vera Birkenbihl geht in Mandarin in der Tat gut, weil Konjugation/Deklination nicht existieren, die Unterscheidung Substantiv/Verb/Adjektiv meist nur im Kopf stattfindet und die Grammatik zu großen Teilen durch Funktionswörter vermittelt wird. – Derzeit sind in meinem Lernprogramm 1950 Zeichen plus das Dreifache an zusammengesetzten Wörtern auf Rotation. J.L.

Kommentar vom 2020-04-25, 21:33

好好!! ;-) Zweimal war doppelt gut, oder?

Kommentar vom 2020-04-25, 23:40

@Kommentator(in) von 21:33: Ist übrigens ein Beispiel dafür, wie die chinesische Grammatik total simpel ist – bis man anfängt, genauer hinzugucken. J.L.

Kommentar vom 2020-04-27, 21:37

"Der Durchbruch war, mit den Komponenten der Zeichen anzufangen, quasi mit dem grafischen Alphabet. Erst ganz wenige Striche." Ich finde es lustig, dass Sie das nicht sofort derart angefangen hatten, das wäre doch ähnlich der mathematischen Matheode ... grins, Methode ... Mich würde interessieren, ob Sie trotz Ihres Professorenstatus, der ja dauerhaftes Lernen impliziert, von Menschen, die Ihnen wichtig sind, auch manchmal zu hören bekommen, warum Sie sich das antun in "ihrem Alter" oder so? Aber vermutlich haben Sie mit der hedonistischen Golfplatz-Liga weniger zu tun.

Kommentar vom 2020-04-28, 12:51

@Kommentator(in) von 21:37: Ich hatte zu sehr den offiziellen Lehrbüchern vertraut. In der Tat hätte gerade ich doch gewarnt sein müssen. – Über sowas reden wie Professor*innen nicht. Golfplatz, ja, ich muss man den Kollegen Boerne aus Münster fragen. J.L.

Kommentar vom 2020-04-29, 08:37

Echt, der nächste Golfplatz zum Netzwerken und Drittmittel-Klarmachen :-D bei Ihnen ist in Münster?

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