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DSGVO und BITV zum Lehre-Versenken

2020-08-10 09:49

Release the Kraken! Wenn einem ein Online-Lernangebot an Schule oder Hochschule nicht passt, kann man das garantiert mit der DSGVO oder ab Ende des Jahres (Umsetzungsfristen: 23. September und 31. Dezember 2020) mit der BITV seines Bundeslandes versenken.

Leute, die im kleinen Stile Gratis-Ressourcen produzieren, sind damit weg vom Fenster, weil sie den Aufwand für den Papierkram (Verfahrensverzeichnis, Auftragsdatenverarbeitungsverträge mit nutzenden Hochschulen usw.) und die Textbeschreibungen, Transkripte usw. nicht bewältigen können. (Dass automatisch erzeugte Transkripte immer noch sehr lustig sind, sieht man an meinen – aus privater Tasche bezahlten! – Transkripten aus der Google-Cloud. Und synthetische Gebärdensprache ist überhaupt noch nicht Standard.)

Also demnächst nur noch offizielle Einheitskost von Großverlagen, vielleicht auch von TUM und RWTH, die das auf ihre jeweilige, luxuriös ausgestattete Kostenstelle "Reputation" buchen können. Ich selbst könnte einfach meine Videos und meine Software inoffiziell im Netz lassen und offiziell wieder brav mit Tafel und Kreide unterrichten, denn dort wirken sich DSGVO und BITV nicht aus. Aber halt, Tafel und Kreide? Noch hat ja niemand die Covid-Pandemie beendet! Uh-oh, checkmate.

Wo ich dies schreibe, wir mir klar, dass ich auch keine Rechercheaufgaben stellen darf. Zwar kann ich den Studierenden sagen, sie mögen DuckDuckGo statt Google nutzen. Aber haben wir dafür einen Vertrag mit Standardvertragsklauseln? Darf man jene überhaupt noch für die USA anwenden? Und was ist mit den Webseiten, auf die die Studierenden über jene Suchmaschine gelangen? Nein, dieses Risiko kann und darf ich als rechtschaffender Beamter nicht eingehen!

Kommentar vom 2020-08-10, 11:47

Leider bist Du ja kein rechtschaffender Beamter, sonst könntest Du die nötige Rechtssicherheit schaffen. ;-)
bo

Kommentar vom 2020-08-10, 12:28

@bo: Sehr fein beobachtet! Ich schaffe so wenig Recht, wie der Buchmacher Bücher macht oder der Zitronenfalter Zitronen faltet. J.L.

Kommentar vom 2020-08-11, 22:29

Extrem nervige Situation. Barrierefreiheiten wurden jahrzehntelang ignoriert und nun fallen innovative Ressourcen weg? Vermutlich wird es einen in Corona-Zeiten sonderbar anmutenden Verfahrensmarathon geben. Denn es winkt ja ein Präsenzsemester, da ist man noch eher unerfahren :-o in Sachen Barrierefreiheit. Denn, wie von diversen Behinderten-Interessenverbänden konstatiert, hat das digitale Semester gezeigt, dass die Umsetzung im Digitalen zügig vorangehen könnte, wenn man sich nur über Transkriptionsprogramme etc. einig werden würde.

Kommentar vom 2020-08-11, 22:44

Kommt nun das exklusive Präsenzsemester, für das sich körperlich vulnerable Gruppen Studierender mit chronischen Erkrankungen am besten vorsorglich beurlauben & krankschreiben lassen? Im Gegensatz zu den Bemühungen/Proklamationen zur Barrierefreiheit der Lehre & Umsetzungszwängen wirken allein die Ankündigungen über NICHT virtualisierte Vorlesungen in Hörsälen und Tutorien bzw. Seminare mit Anwesenheitspflicht im WS 20/21 per se bedrohlich & bedeuten Ausschluss für diejenigen gesundheitlich vorbelasteten Studierenden & Dozenten, die wegen Vorerkrankungen ihr Infektionsrisiko minimieren müssen. Präsenzsemester in Pandemiezeiten sind Sozialdarwinismus; Schutz durch eigenes Auto, FFP3-Maske & Verzicht auf Mensa können sich nur Betuchtere leisten. Und wie soll das mit dem Mindestabstand funktionieren in Hörsälen? Frage: Werden Aerosole durch die Klimaanlagen gleichmäßiger verbreitet? Wie viele Unis verfügen überhaupt über standardisierte Virenfilter in allen Klimaanlagen? Merci!

Kommentar vom 2020-08-12, 09:45

@Kommentator(in) von 22:44: Filter nachzurüsten, die auch Viren zurückhalten, oder eine UV-Bestrahlung zu installieren, dürfte entweder zu teuer sein oder praktisch unmöglich sein (z. B. bei Umluftkühlern in Seminarräumen). Die meisten Uni-"Klima"-Anlagen sind gar keine (Voll-)Klimaanlagen (also solche mit Be- und Entfeuchtung), sondern nur Lüftungsanlagen. Dort sollte man den Umluftkanal zumachen können, so dass nur Frischluft in die Räume kommt. Das steigert aber den Bedarf an fossilen Brennstoffen massiv. J.L.

Kommentar vom 2020-08-12, 23:52

Danke, das sind schon mal wichtige Infos. Man stellt Ihnen die Frage im Wissen, dass Sie Seminare zum Thema Gebäude/Technik/Wartung geben. Gibt es öffentlich zugängliche Ressourcen, in denn die Metahygiene-Ausstattungen der Unis dokumentiert werden? Sind deren Sicherheitsbeauftragte nicht etwas ungehalten, wenn man sie nach genauem Typ von Lüftungsfiltern etc. fragt? Manch ein Verwaltungsmensch hat behauptet, die wären selbstverständlich in den neuen Gebäuden einer jeden Elite-Uni eingebaut ... Aber seien wir mal ehrlich, wenn ich einen beliebige Uni und "Luftfilter Gebäudewartung" in die Homepage-Suchfunktion eingebe, kommt da nichts. Wie empfiehlt also der Profi seinen Studierenden solche Recherchen durchzuführen? Und was raten Sie gegen die herbstliche Virenlast im Hörsaal?

Kommentar vom 2020-08-13, 09:52

@Kommentator(in) von 23:52: Sowas wissen nur die Leute von der Gebäudetechnik der Uni. Irgendwo zwischen Facility Management und Wachdienst werden die in den Verzeichnissen zu finden sein. Vielleicht einen selbstgebackenen Kuchen mitbringen, um die Kommunikation zu erleichtern. – Verhalten im Hörsaal im Herbst? Unser Risiko-Guru machts vor! J.L.

Kommentar vom 2020-08-14, 14:53

Klasse der Nassim Taleb. Bei meinem "selbstgebackenen" Kuchen würde mir heutzutage niemand irgendeine Auskunft geben wollen, grins, außerdem besitze ich überhaupt gar keinen Backofen. :-) Torten goutiert man bei uns sowieso vom Konditoren zubereitet in der Orangerie oder im Café Siesmeyer. Und wo schwelgen Sie in Tortenelegien? ;-) Wenn man sich wieder ein Mathevideo von Ihnen wünschen würde, könnte das eines zur Aerosolausbreitung in geschlossenen Räumen sein, und die Berechnungsmethoden zur Diffusion von einem einzelnen Virus, als Punkt, nicht als komplexes Protein konzipiert, (eindimensional) bis in die letzte Sitzreihe. :-) Die Klicks würden in die Millionen gehen.

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