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Stille Post mit Gangsta-Rap und Kausalität

2021-05-26 10:36

Der Leiter der Studie so: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Gangsta-Rap und der Neigung, […], gibt."

Die Landesbeauftragte so: "[…] belegt erstmalig empirisch, dass Gangsta-Rap den Nährboden […] bereitet."

Die B.Z. (was nicht die Berliner Zeitung ist) so: "Studie: 'Gangsta-Rap' fördert antisemitische Einstellungen"

DIE ZEIT (der Luxusuhren-Prospekt, Ihr wisst schon) so: "Gangsta-Rap fördert laut Studie antisemitische Einstellungen[.]"

Der Leiter der Studie so (paywalled): "Wir haben von vorneherein gesagt, dass man die Ergebnisse vorsichtig lesen muss."

Selten hat man das wissenschaftspublikationstechnische Strategem, den Fehlschluss von Korrelation auf Kausalität in die Köpfe der Lesenden zu verlagern, so bilderbuchmäßig inszeniert gesehen.

Kommentar vom 2021-05-27, 13:32

Da werden noch ganz andere Mechanismen sichtbar. Der Reflex zum Beispiel, die eigenen Probleme mit Antisemitismus auf Minderheiten zu projizieren. Denn es gibt keinen, der bei "Gangsta-Rap" nicht an die urbane Jugend mit Migrationshintergrund denkt. Das ist reflexhaft synonym.
Es ist daher einfach zu komfortabel, dieser ungeliebten Jugend, die potentiell mit dem Zeigefinger drohen kann ob des nie abgeflauten Rassismus ihnen gegenüber, den antisemitischen Peter zuzuschustern. Dann sind die Ausländer mal wieder schuld. Klassiker.
Grüße, RG

Kommentar vom 2021-05-27, 17:22

@RG: Oh, ich denke bei Gangsta-Rap eher an Jugendliche der autochthonen Mittelschicht, was die besagte Studie auch nahelegt: "Das Sozialprofil (bemessen an einem Indikator für den familiären Wohlstand) der Gangsta-Rap-Hörer*innen ist ressourcenstärker als das der Nicht-Hörer*innen." (Quelle) Deshalb sieht man die Künstler*innen dieses Genre auch gerne auf Uni-Festivals. J.L.

Kommentar vom 2021-06-14, 09:58

Guter Punkt, ich finde allerdings auch wichtig, dass die *Urheber* des "Gangsta-Rap" - und das ist die urbane, migrantische Jugend - als geistige Brandstifter dargestellt werden, wie schon seit 10-15 Jahren im Diskurs der Mittelschichts-Intelligenzija in spe - aka linke Uni-Jugend - diskutiert wird. In meiner Rechnung fällt das ziemlich genau in den Zeitraum der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins gesammelten Aufsätzen.
Unbestritten natürlich, dass Gangsta-Rap an Gymnasien und Unis zwar nicht produziert wird, aber gehört wird, (wie auch in den USA) und den Kids etwas lumpenproletarische Männlichkeit zurückgibt, die sie im behüteten Heim vermissen.
Gruesse, RG

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