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Die totale Schule

2021-11-06 12:57

Mal wieder eine Methode, mit der die Kinder etwas fürs Leben (NPM, New Work und so) lernen: "Secret Student". Man erzählt der Klasse, man werde heute insgeheim eine*n bestimmte*n (aber ungenannte*n) Schüler*in beobachten und, wenn die*der sich gut verhalte, die ganze Klasse dafür belohnen.

Was in der jugendfreien Anleitung nicht expressis verbis stehen kann, aber uns, die wir die einschlägige Fachliteratur verinnerlicht haben, sofort klar ist: Man pickt niemand heraus und beobachtet die*den (unsinniger Aufwand!), sondern tut nur so, als ob. Und man verrät zwar nicht, welche Person das war (genauer: gewesen sein soll), aber man gibt natürlich vieldeutige Hinweise, wer schuld ist, warum es heute wie so üblich wieder keine Belohnung gibt.

Das mit dem Zufall und der Ambiguität haben wir im ersten Semester Pädagogik von Skinner gelernt. Wer die Erkenntnisse der Psychologie noch weiter umsetzen will, nutzt aus, dass ein Verlust schmerzhafter ist, als keinen Gewinn zu haben. Also morgens jeder*m Schüler*in eine Tafel Schokolade auf den Tisch legen – und die dann später einsammeln, weil leider, leider die*der Secret Student heute wieder nicht brav war.

Man sieht, dass sich so das vielgepriesene Panopticon sowohl in der Effizienz als auch in der Effektivität locker übertrumpfen lässt.

Next up: Fortbildungen durch einschlägig ausgewiesene Fachkräfte aus Nordkorea.

Man wird mich wahrscheinlich irgendwann hiermit zitieren: "Ich habe nicht versagt. Vielmehr habe ich 2000 Wege gefunden, wie Schule noch mehr Horror wird."

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