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Heinsohn: Söhne und Weltmacht

2022-03-03 12:48

Angesichts der Ereignisse dieser Tage habe ich mal wieder ein altes (2003) Buch von Gunnar Heinsohn gelesen. Es handelt im Wesentlichen von der Theorie, dass eine hohe Zahl zweiter, also "nicht-erbender" Söhne (die um ihr Ansehen in der Welt ringen) einen enormen Druck auf die Geschichte ausübt – ob in Form von Bürgerkriegen, Terrorismus, Kriegen oder Kolonisierung, mit welcher ideologischen oder religiösen Begründung auch immer (die wird sich schon finden). Umgekehrt haben die meisten entwickelten Nationen unserer Zeit zu wenig Söhne, die sie in den Krieg schicken können und wollen. Ich würde in der Sprache des Films sagen: Jeder Sohn ist ein PFC Ryan.

An mehreren Stellen weist Heinsohn (2003!) darauf hin, dass Russland, die Ukraine und Weißrussland in einem schnellen Bevölkerungsrückgang stecken (S. 141ff). Das scheint sich seitdem nicht großartig geändert zu haben (1, 2, 3), was die Anwendung seiner Theorie auf die aktuelle Situation auszuschließen scheint. Aber vielleicht ist dieser Krieg, könnte man spekulieren, (auch) eine Art, Druck aus Tschetschenien rauszunehmen?

Ein wichtiger Hinweise auf einen üblichen Selection Bias: "Weil diese Männer [mordende Diktatoren, Anm. J. L.] psychologisch und allgemeinmedizinisch extrem genau seziert werden, finden man bei ihnen fast immer irgendwelche 'Mörder'-Anlagen als oberflächlich überzeugende Ursache ihres bösen Tuns. Würde man aber auch alle unauffällig gebliebenen Staatslenker ebenso intensiv angehen, verlören sich die meisten Gewißheiten recht schnell, weil viel verrücktere Herrscher oft ganz harmlos geblieben sind." (S. 54f) Man beachte, dass Frauen im Buch (halt 2003!) nur am Rande vorkommen, als Mütter. Vielleicht müsste man Kleopatra VII., Wu Zetian und Katharina II. noch einmal genauer betrachten.

Bei näherem Nachdenken nicht unplausibel: Der römische Limes, die chinesische Mauer und die heutigen bzw. geplanten Raketenabwehrsysteme stehen nicht für Stärke, sondern zeigen im Gegenteil, dass man die Kraft zur militärischen Offensive nicht mehr aufbringt. (S. 127)

Zur gelungenen Integration: "Als Katholiken Süd- und Mittelamerika eroberten, dachten sie kaum an Anpassung. Man ist dort auch ein halbes Jahrtausend später noch gut katholisch, spricht Spanisch und Portugiesisch – und die verbliebenen Eingeborenen müssen es auch so halten." (S. 155)

Oh, ich sehe gerade, das Buch hat 2019 ein Update bekommen. Ich habe hier noch die alte Fassung.

Kommentar vom 2022-03-03, 13:51

Heine hat schon über Napoleons Truppen in Düsseldorf berichtet.
Ein durchaus interessanter Vortrag zum aktuellen Krieg: George Friedman, "Europe: Destined for Conflict?"
Weiter gedacht hat John Bumpass Calhoun mit seinem Experiment Universum 25.
Das hat zu der Frage geführt: Wie viele Menschen verträgt die Erde bzw. der Mensch eigentlich? 60 Millionen war die Zahl, die aus dem Experiment hervorgegangen ist. Wohlgemerkt für die ganze Erde! Andere Schätzungen haben etwas um die 500 Millionen ergeben. Jetzt sind wir deutlich mehr und werden weiterhin neue Rekorde aufstellen.
Bei den Russen ist die Blyat-Mentalität das Problem, es sind auch leider nicht nur Einzelne, die darunter leiden. Die beste Erklärung, die ich habe sind die "We Love Russia"-Videos auf YT, die geben einen guten Einblick, wie die Russen so ticken.
Wie geht es ihnen eigentlich bei der ganzen Sache?

Kommentar vom 2022-03-03, 14:46

@Kommentator*in von 13:51: Oh, wie es mir dabei geht? Ich habe dieser Tage bemerken müssen, dass aktuell sowohl Benzinkanister als auch Geigerzähler ausverkauft sind. J. L.

Kommentar vom 2022-03-03, 19:16

Man kann sich über aktuelle Nuklearmesswerre auch im Internet informieren, das wegen der antiken belgischen Reaktoren gefüttert wird: Einfach Strahlungspegel Aachen suchen, dort sind auch viele weitere verlinkt ...

Kommentar vom 2022-03-03, 19:41

@Kommentator*in von 19:16: So lange "das Internet" geht, ja. J. L.

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